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Der Kanton setzt nun auf Fernunterricht. Wie dieser aussehen soll, ist noch nicht klar. Am Tag 1 nach dem «Schul-Lockdown» hiess es erst mal: Sich an die neue Situation gewöhnen.

von Isabel Heusser

Montagmorgen im städtischen Kindergarten Bocksriet. Normalerweise herrscht hier um diese Zeit Hochbetrieb, Kinder spielen, essen gemeinsam Znüni, basteln. Doch nun ist alles anders. Im Kindergarten ist es still, die Garderoben sind leer, Kinderstimmen sind keine zu hören. Der Bundesrat hat bekanntgegeben, dass der Unterricht an den Schulen in der ganzen Schweiz mindestens bis zum 19. April ausfällt. So soll die Ausbreitung des neuen Coronavirus verlangsamt werden. Von der Regelung betroffen sind auch die Kindergärten.

Für die Eltern bedeutet dies, dass sie die Betreuung ihrer Kinder zu Hause organisieren müssen – doch nicht überall ist ein Elternteil daheim. Und wegen der Ansteckungsgefahr sollen ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören, die Enkel nicht hüten. Noch bis morgen können deshalb Erziehungsberechtigte, die keine kurzfristige Betreuung organisieren konnten, ihre Kinder in die Schule oder den Kindergarten schicken, Unterricht findet jedoch keiner statt. Auch Elterngespräche sind abgesagt, ebenso die Altpapiersammlung der Schulen, die zwischen Montag und Freitag geplant war.

Ab Donnerstag gelten dann verschärfte Massnahmen: In den Schulen werden keine Kinder mehr betreut. Kindertagesstätten, Krippen, Horte, Mittagstische, Spielgruppen und Tagesfamilien, die mehr als sechs Kinder betreuen, bleiben ausserdem geschlossen. Dies teilte das Erziehungsdepartement gestern mit. Allerdings muss ein Notbetreuungsangebot bereitgestellt werden für Kinder, deren Erziehungsberechtigte in Gesundheitsberufen, Blaulichtorganisationen, der Notbetreuung oder in der Herstellung wichtiger Medizinalprodukte tätig sind. Für die betroffenen Organisationen bietet der Kanton eine Beratung an.


Zeit zum Aufräumen

Im Kindergarten Bocksriet unterhalten sich Bildungsreferent Raphaël Rohner und Stadtschulratspräsident Christian Ulmer mit den anwesenden Kindergärtnerinnen. Sie nehmen den «Schul-Lockdown» gelassen. Kein einziges Kind ist an diesem Morgen erschienen – ein gutes Zeichen. «Die Eltern waren offensichtlich alle informiert und konnten sich organisieren», sagt Rohner. Die Kindergärtnerinnen können sich nun Arbeiten widmen, für die sonst keine Zeit bleibt – aufräumen zum Beispiel. «Es gibt immer etwas zu tun», sagt Marianne Wenger.

«Wir dürfen nicht verlangen, dass alles schon perfekt organisiert ist.»

Christian Ulmer, Präsident Stadtschulrat

Die Schulschliessungen sind einschneidend – da sind sich die Verantwortlichen einig. Gleichzeitig herrscht eine gewisse Erleichterung über die Anordnung des Bundes. Viele Eltern und Lehrpersonen seien in den letzten Wochen verunsichert gewesen und hätten sich erkundigt, wie es weitergehe, sagt Ulmer. Seit letztem Freitag sei die Situation bei den Betroffenen weniger angespannt. «Wir fühlen uns vom Schulinspektorat gut begleitet, das ist ebenfalls wichtig.» Rohner, der neben ihm steht, nickt. «Das ist für uns alle eine neue Situation», sagt er. «Die Gesundheit geht vor – und auch die Lehrpersonen haben ein Anrecht auf Schutz.» Nun müsse man sich gegenseitig solidarisch zeigen.


Lernen à la carte

Zwar hat das Erziehungsdepartement für die nächsten Wochen «Unterricht auf Distanz» angeordnet, also Unterricht über die digitalen Kanäle. Doch für kleine Kinder wird dies nur schwer umsetzbar, da sie im Umgang mit dem Computer nicht genügend Übung haben, um an einer Art Fernunterricht teilzunehmen, sagt Ulmer. «Man muss sich ausserdem im Klaren sein, dass nicht jede Familie computertechnisch gut ausgerüstet ist.»

Aktuell hat dieser Unterricht ohnehin noch keine Priorität, wichtig ist, dass die Betreuung der Kinder sichergestellt ist. «Wir dürfen nicht verlangen, dass schon alles perfekt organisiert ist», sagt er. «Die Massnahmen wegen des Coronavirus ändern sich ohnehin stündlich.» Nach und nach würden sich gewisse Abläufe einpendeln.

Nächste Station: das Schulhaus Gräfler. Auch hier ist es still. In den Klassenzimmern sind die Stühle hochgestuhlt. Vereinzelt gehen Lehrpersonen über den Gang. Ein Schüler kommt aus einem Klassenzimmer. Der Teenager ist aber nicht hergekommen, weil er betreut werden muss, sondern um Schulmaterial abzuholen. Wenige Minuten später fährt draussen auf dem Parkplatz ein Auto vor, und eine Mutter geht mit ihrer Tochter ins Schulhaus. Auch sie möchte Unterlagen abholen. Christian Ulmer seufzt. «So war das eigentlich nicht gedacht – wer kann, soll zu Hause bleiben», sagt er. «Aber wir können den Kindern ja nicht verbieten, herzukommen.» Das gilt auch für Kinder, die sich auf den Pausenplätzen zum Spielen treffen. Ein Arealverbot wäre wohl schwierig durchzusetzen. «Wir zählen deshalb auf die Erziehungsberechtigten, die ihre Verantwortung wahrnehmen.»

Noch herrscht unter den Lehrern eine gewisse Ratlosigkeit, wie der von Erziehungsdirektor Christian Amsler angekündigte «Unterricht auf Distanz» denn nun aussehen soll. Mit den Schülern online zu kommunizieren, dürfte zwar kein Problem sein, ein klares Konzept fehlt aber noch. Auf der Umsetzungsplattform zu Medien und Informatik sind unter «Fernunterricht» verschiedene Links zu Lern-Apps, Tipps und Massnahmen aufgelistet. Als Möglichkeiten für Fernunterricht werden etwa die Vergabe von Tagesaufträgen, die Erstellung eines Wochenplans oder «Lernen à la carte» genannt: Schülerinnen und Schüler stellen sich aus einer Auswahl von Lerninhalten und Aufträgen ein eigenes Lernprogramm zusammen.


«Ausserordentliche Massnahmen»

Im Verlauf des Montagmorgens besuchen Ulmer und Rohner weitere Schulhäuser. Überall ist die Situation ruhig, Kinder, die betreut werden müssen, gibt es nur wenige. Wie lange der «Lockdown» in den Schulen anhalten wird, ist ungewiss. Viele stellen sich darauf an, dass er länger dauern dürfte als bis am 4. April. Dennoch müssten Eltern nicht befürchten, dass die unterrichtsfreie Zeit zum Schaden ihrer Kinder sei, sagt Rohner. «Eine ausserordentliche Situation erfordert eben ausserordentliche Massnahmen», sagt er. Dass der Unterricht zumindest teilweise über digitale Kanäle erfolgen könne, sei ein grosser Vorteil, sagt Rohner. «Doch früher ging es auch analog.» Er erinnert sich an seine eigene Schulzeit, als die Schulen wegen einer Scharlachwelle mehrere Wochen geschlossen hatten. «Damals wurden uns die Unterrichtsmaterialien nach Hause gebracht – natürlich kontaktlos.»

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Der Kindergarten Bocksriet ohne Kinder, nur mit Erwachsenen (von links): Die Kindergärtnerinnen Claudia Meng, Marianne Wenger, Marianne Hentsch und Ursula Menk sowie hinten Stadtschulratspräsident Christian Ulmer und Bildungsreferent Raphaël Rohner (r.). Bilder: Roberta Fele

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