Bockonline: Grundstein für den Neubau im Stadthausgeviert gelegt

04. Oktober 2022

Stadtrat und städtische Mitarbeitende haben heute zusammen die Grundsteinlegung für den Neubau im Stadthausgeviert...

Das wäre ein echter Hammer. Der FC Schaffhausen überlegt, ob er wieder im Stadion Breite spielen soll. Ein Grund: der eskalierende Streit mit Familie Fontana um den Lipo-Park.

von Tobias Erlemann

Bisher hat sie eisern geschwiegen zum Verkauf des FC Schaffhausen an Roland Klein. «Jetzt reicht es aber», sagt Agnes Fontana emotional. «Diesen Vorwurf lasse ich mir nicht gefallen», erklärt die Witwe des verstorbenen FCS-Patrons Aniello Fontana. Was Agnes Fontana sauer aufgestossen ist? In einem Brief deutet Neu-Besitzer Klein an, dass sie keine wirkliche Leidenschaft für den FCS habe. «Fast 30 Jahre haben wir uns für den FCS eingesetzt, ihn am Leben gehalten und sehr viel Geld investiert. Wenn wir kein Herz für den FCS haben, wer dann?», stellt Agnes Fontana die Frage – und schiesst gegen Klein: «Er stellt sich immer als Retter des FCS dar. Das ist er aber nicht, er hat noch nichts für den FCS getan.»

Es ist eine neue Eskalationsstufe in einem schon lange schwelenden Streit zwischen Alt- und Neubesitzer. Auch wenn Klein den Club im Juli 2019 übernommen hat, muss man noch immer miteinander arbeiten. Denn die «Fontana Invest II» ist weiterhin Vermieterin des Stadionteils im Lipo-Park, welchen der FCS für seinen Trainings- und Spielbetrieb nutzt. Und genau um diese Infrastruktur dreht sich der aktuelle Zwist – und führte zu oben besagten Brief von Klein. Der 59-Jährige erklärt. «Wir bekamen Anfang April ein Schreiben vom Anwalt von Agnes Fontana, in welchem rund 20 Punkte aufgeführt wurde, welche wir innert weniger Tage erledigen sollen», berichtet der FCS-Besitzer. Dabei ging es um Reinigungs- und Instandhaltungsarbeiten im Lipo-Park. Bei einer Begehung Anfang April durch Abgesandte von Agnes Fontana wurden Mängel festgestellt wie verdreckte Fritteusen, nicht geputzte Toiletten, teilweise sogar zerstörte WC-Anlagen vom Spiel gegen GC (vom 22. Februar), verschmutzte Sektoren, kaputte Fangzäune, widerrechtlich abgebaute Behindertenrampen oder auch verunreinigte Cateringboxen. Auch die unsachgemässe Lagerung von Gasflaschen wurde moniert. «Eine tickende Zeitbombe», beschwert sich Agnes Fontana. Die Mängelliste hat Klein genau studiert, einige Arbeiten seien bereits erledigt worden. Doch: «Wir befinden uns derzeit alle in Kurzarbeit und kein Mensch ist im Stadion. Und es finden ja auch keine Spiele statt. Selbst in normalen Zeiten könnte man solch eine recht willkürliche Liste nicht in dieser kurzen Zeit abarbeiten. Für mich ist das reine Schikane», sagt Klein.

Ein weiterer Vorwurf von Agnes Fontana: Die unrechtmässige Vermietung des Lipo-Parks für Kurzevents. Zuletzt fand zum Beispiel auf dem Kunstrasen ein Werbesport-Dreh der Firma Coop mit Nationalkeeper Yann Sommer statt. «Solche Vermietungen müssen wir vorrangig genehmigen. Was ist, wenn ein Schaden entsteht? Wer kommt hierfür auf? Am Ende bleiben die Kosten bei uns hängen. Und wir wussten nicht einmal etwas von solchen Vermietungen», erklärt Agnes Fontana. Aber auch in diesem Punkt gibt es zwei Meinungen. Geht es nach Roland Klein, muss er nur für Langzeitvermietungen eine Einwilligung einholen. Für Familie Fontana steht fest: Jede Veranstaltung muss genehmigt werden. Die Anwälte beider Parteien erörtern derzeit die Sachlage und die verschiedenen Passagen im Mietvertrag.


Spektakulärer Geheimplan

Es steht also Aussage gegen Aussage – und erste Drohungen werden laut. «Der Lipo-Park verkommt, da kümmert sich keiner drum», beschwert sich Agnes Fontana – und setzt ein Ultimatum. «Wenn die das nicht hinbekommen, müssen wir ihnen bald kündigen.» Laut Mietvertrag, welcher eigentlich über 20 Jahre läuft, besteht die Möglichkeit einer ausserordentlichen Kündigung bei Nicht-Erfüllung der Auflagen. Dies bedeutet: Innert kürzester Zeit könnte Agnes Fontana als Alleinbevollmächtigte die Zusammenarbeit auflösen – und damit den FC Schaffhausen «obdachlos» machen. Zwar könnte der Verein weiter Kabinen oder VIP-Räume nutzen, da die FCS-Mantelnutzung von der Firma Methabau vermietet wird. Aber eben, Spielfeld, Cateringboxen oder auch die Tribünen gehören der «Fontana Invest II», das Einzelunternehmen von Agnes Fontana.

Der FC Schaffhausen hätte also keine Trainings- und Spielmöglichkeit mehr. Der Todesstoss für den Challenge-League-Club? An Klein prallt diese Drohung ab. «Sie können uns gerne kündigen, im Hinblick auf die hohen Kosten für das Stadion würden sie uns sogar einen Gefallen tun», sagt der Club-Besitzer trocken. Wie soll es dann aber weitergehen mit Profifussball in Schaffhausen? Mit einer spektakulären Rückkehr! Denn Klein hat einen Geheimplan. «Wir prüfen aktuell, ob wir wieder im Stadion Breite trainieren und spielen können, sollte es zu einer Kündigung kommen. Eine Machbarkeitsstudie ist in Abklärung, Stadtrat Raphaël Rohner habe ich darüber bereits informiert.»


Reduzierte Mieten

Eine Rückkehr auf die Breite wäre natürlich ein Donnerschlag. So müsste der FCS einiges investieren in Stadion und Peripherie, um die Profifussballtauglichkeit zu erlangen. «Dessen sind wir uns bewusst», sagt Klein. «Aber vielleicht ist es die beste Lösung. Im heutigen Stadion lässt sich mit den hohen Mieten nicht wirtschaftlich arbeiten.»

Denn nicht nur die Corona-Krise bereitet dem FCS Sorgen. Auch die allgemeine Finanz- und Wirtschaftslage ist suboptimal. So haben es auch die neuen Besitzer nicht geschafft, mehr Zuschauer ins Stadion zu locken oder nationale beziehungsweise internationale Partner mit ins Boot zu holen. Mit dem FCS ist also kein Geld zu verdienen. Oder doch? «Die müssen doch viel weniger Miete zahlen als wir damals», erklärt Agnes Fontana. So hat die Firma «Fontana Invest II» seit Juli 2019 bis Ende 2020 die Miete von CHF 400'000 um 50 Prozent reduziert, aktuell zahlt der FC Schaffhausen also nur noch CHF 200'000 für den sportlichen Stadionteil. Und auch die Firma Methabau verlangt weit weniger an Miete. Aus gesichteten Unterlagen geht hervor: Zur Eröffnung des Lipo-Parks musste die Familie Fontana für die Mantelnutzung noch CHF 765'000 pro Jahr bezahlen. Nach und nach wurde dieser Posten gesenkt, so müssen die jetzigen FCS-Besitzer bis ins Jahr 2029 nur noch durchschnittlich CHF 150'000 berappen per anno. Macht eine kumulierte Gesamtersparnis beider Mietposten von rund CHF 800'000 pro Jahr.

Und dann bekäme sie auch noch einen Bettelbrief, erzürnt sich Agnes Fontana. «Für die Monate April, Mai und Juni will Herr Klein keine Miete zahlen wegen Corona. Das kann ich nicht akzeptieren. Denn der FCS schuldet mir eh schon Miete, ich habe in diesem Jahr noch keinen Rappen gesehen.» Dazu findet Agnes Fontana, «führt Klein die Öffentlichkeit an der Nase herum. Im SN-Interview sagt er, die Existenz des Clubs sei nicht gefährdet. Uns schreibt er aber, wenn wir die Miete nicht aussetzen, kann der Club nicht existieren.» Was die ehemalige Besitzerin dazu noch stört: «Und dann will Herr Klein noch Geld von Stadt und Kanton. Von denen wurden wir beim Bau vollkommen im Stich gelassen, obwohl man uns Zuschüsse von jeweils zwei Millionen Franken mündlich zugesagt hatte.»

Doch was hat es mit diesem «Bettelbrief» auf sich? Er habe diese Anfragen sogar schreiben müssen, kontert Klein. «Wir haben zur Überbrückung der Liquidität einen Schnellkredit beim Bund beantragt. Um diesen zu bekommen, müssen wir nachweisen, dass wir versucht haben, Kosten während der Coronakrise einzusparen.» So habe auch die Helvetia-Versicherung ein Schreiben bekommen und auch die Firma Methabau. «Mit der Methabau haben wir eine Mietstundung besprochen und entgegenkommender Weise auch erhalten», offenbart Klein – und sagt deutlich. «Für mich hat das Schreiben dieser Briefe auch Überwindung gekostet, aber es musste sein.»

Eine einvernehmliche Lösung liegt in weiter Ferne, der Clinch zwischen Alt- und Neubesitzer geht in die nächste Runde. So wirft Agnes Fontana den FCS-Machern auch vor, bei der Lizenzierung für kommende Saison Fehler begangen zu haben. Warum? Weil die Swiss Football League zwei unterschriebene Formulare für den Antrag einforderte, in welchem die Vermieterin bestätigt, dass der Club das Areal als Trainings- und Spielstätte nutzen darf. «Da der FCS Mietschulden hat und Herr Klein es nicht schafft, die Sache persönlich zu regeln, sondern meine Tochter vorschickt (Diana Fontana arbeitet weiter auf der FCS-Geschäftsstelle, Anm. d. Redaktion), habe ich die Formulare nie gegengezeichnet.»

Muss der FCS also nun befürchten, die Lizenz für kommende Saison nicht zu bekommen? Roland Klein schmunzelt darüber. «Keine Sorge, da ist alles geregelt», sagt der 59-Jährige. «Der Verband weiss um die besondere Situation in Schaffhausen. Wir durften statt der Formulare die Mietverträge einreichen, die eindeutig sind. Die Lizenz ist also nicht in Gefahr.»


«Der Verkauf war ein Fehler»

Das Heu hatten die Beteiligten seit jeher nicht auf der gleichen Bühne. So wurde kurz nach der Übernahme Tochter Andrea und Schwiegersohn Marco Truckenbrod-Fontana gekündigt, obwohl beide mit einer weiteren Zusammenarbeit rechneten. Rückblickend steht für Agnes Fontana fest: «Der Verkauf war ein Fehler.» Warum er dann doch getätigt wurde? «Aniello war lange schwer krank und starb dann. Wir waren alle müde und hatten keine Kraft mehr. Aus Verzweiflung habe ich dem Verkauf zugestimmt. Dabei hatten wir für das neue Stadion alle unsere Liegenschaften verkauft, damit wir den Lipo-Park überhaupt bauen konnten. Ohne uns würde es keinen Profifussball mehr in Schaffhausen geben.» Und dann folgt eine beachtliche Aussage: «Unter den jetzigen Bedingungen mit den reduzierten Mieten hätten wir keinen Besitzerwechseln vollzogen.»

Heisst das im Umkehrschluss: Will Familie Fontana den Verein womöglich zurückkaufen? «Wenn es eine Möglichkeit gibt, den Verein zurückzubekommen, werden wir das genau anschauen», stellt Agnes Fontana klar. Für Klein stellt sich diese Frage indes nicht. «Keine Chance, der FCS wird nicht an die Familie Fontana zurückverkauft.» Anderweitige strategische Partnerschaften, um den Verein auf eine finanziell starke Basis zu stellen, wolle er grundsätzlich nicht ausschliessen. «Im Fussballbusiness muss man immer offen sein für Kooperationen», sagt Klein. Denn: «Ich habe nicht vor, den Club aufzugeben, sondern will noch viel erreichen mit dem FC Schaffhausen.»

Eine mögliche Zukunftsperspektive ist für Klein dabei die Rückkehr auf die Breite. Damit würde er gleich mehrere «Probleme» lösen: Dem Streit zwischen Mieter und Vermieterin um den Lipo-Park würde er aus dem Weg gehen, der Club wäre von den alten Seilschaften quasi abgelöst. Und: Auch viele Fans würden sich vermutlich über eine Rückkehr ins Stadion Breite freuen, mögliche Mehreinnahmen bei geringeren Kosten könnten winken. «In der aktuellen Situation ist alles auf dem Prüfstand, um die Zukunft zu sichern», sagt Klein.


«Murat Yakin ist der wahre Besitzer»

Und wie ist das weitere Vorgehen für Agnes Fontana? In den kommenden Tagen findet eine weitere Begehung des Lipo-Parks statt, um zu erörtern, ob die angeprangerten Mängel behoben wurden. Eine schiedliche Lösung des Zwists wird es aber wohl nicht mehr geben, zu verhärtet sind die Fronten. Das Geschirr sei zerschlagen, erklärt Agnes Fontana. «Wir wurden von Herrn Klein zu oft mit negativen Falschaussagen an den Pranger gestellt, da gibt es keine gemeinsame Basis mehr», sagt die ehemalige Clubbesitzerin – und holt dann zum Paukenschlag aus: «Ich würde mich jedoch freuen, wenn ich schon bald mit dem wahren FCS-Besitzer ins Gespräch kommen könnte. Dies ist nämlich Murat Yakin, vielleicht können wir mit ihm die aktuellen Probleme lösen», sagt Agnes Fontana.

Damit befeuert Agnes Fontana ein Gerücht, dass immer mal wieder durch die Lande zieht. Der Angesprochene selbst gibt abermals ein klares Dementi: «Da ist rein gar nichts dran. Als es um den Verkauf des FCS ging, war ich noch Trainer beim FC Sion und zu keiner Zeit involviert in die Gespräche. Der Club gehört einzig und alleine Roland Klein, das habe ich ja schon mehrfach betont», sagt FCS-Coach Murat Yakin.


Der FC Schaffhausen fiebert dem Wiederbeginn entgegen

Diesen Freitag trifft sich die Swiss Football League zu einer weiteren Sitzung. Läuft alles nach Plan, dürfen die Schweizer Proficlubs ab dem 11. Mai wieder das Training aufnehmen. «Ich hatte schon einige Telefonate mit den Spielern, alle fiebern dem Wiederbeginn entgegen», sagt FCS-Coach Murat Yakin.

Das letzte gemeinsame Training im Lipo-Park fand am 13. März statt, der letzte Liga-Ernstkampf war am 22. Februar daheim gegen den Grass-hopper Club Zürich. Seither sind die Spieler im Homeoffice und trainieren nach Plan, um eben für jenen Tag X gerüstet zu sein. Anders als in der deutschen Bundesliga, wo die Teams schon wieder trainieren, aber dies in Kleingruppen ohne Körperkontakt verrichten, darf es in der Schweiz gleich zum Vollkontakt kommen, also auch Zweikämpfe und direkte Duelle sind erlaubt.

Abseits des Platzes werde man aber die Hygienemassnahmen genaustens umsetzen, sagt Yakin. Das bedeutet: Bei der Begrüssung wird es keinen Handschlag geben, es werden Desinfektionsmittel bereitstehen, und die Mindestabstände in der Kabine und in den Trainingsräumen soll gewahrt werden. «Wir werden uns natürlich an die vorgegebenen Regeln halten. Die Gesundheit steht auch weiterhin im Vordergrund, damit es nicht zu einem Rückfall in der Krise kommt», sagt Yakin.

Läuft dann alles nach Plan, könnte es ab dem 8. Juni auch mit dem Ligabetrieb weitergehen – vorerst aber nur als Geisterspiele. «Wichtig für den FCS ist es, dass es überhaupt weitergeht. Da müssen wir es akzeptieren, dass erst mal ohne Zuschauer gespielt wird», sagt Yakin. Die Zeit bis zum ersten Spiel will der FCS- Coach nun konsequent nutzen und im Training viel mit dem Ball arbeiten lassen. «Wir werden eine kleine Vorbereitung durchführen müssen», sagt der 45-Jährige. «Wenn du als Profi so lange nichts mit dem Ball machen konntest, geht der ganze Rhythmus und das Gefühl verloren. Das geht dann auch ein paar Wochen, bis sich das wieder eingependelt hat.»

So ist Yakin froh, dass er zwischen dem 11. Mai und 8. Juni genügend Zeit hat, seine Spieler wieder in Form zu bringen. Und der Coach selbst muss wieder in den «Ernstkampfmodus» kommen, war doch auch Yakin über Wochen im Homeoffice. «Ich bin bereit, ich vermisse das Training mit der Mannschaft sehr. Wegen mir kann es sofort losgehen», sagt der 45-Jährige mit einem motivierten Lächeln. (toe)


Stadtrat Raphaël Rohner zum FCS-Plan

FCS-Besitzer Roland Klein hat die Stadt Schaffhausen bereits per Brief über seine Absichten instruiert. «Ein offizielles Gesuch bezüglich einer Rückkehr des FCS auf die Breite liegt aber noch nicht vor», sagt Stadtrat Raphaël Rohner. Dabei hegt Rohner leichte Zweifel an einer Machbarkeit des Projektes. «Man müsste sicherlich einiges investieren auf der Breite, um dort unter Profibedingungen Fussball spielen zu können.» Sollte aber ein Gesuch bei ihm eingehen, werde er das natürlich eingehend prüfen, sagt der Schaffhauser Stadtrat.

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