Kommende Woche öffnet das Museum Allerheiligen nach dem Lockdown wieder seine Pforten. Das ist gleichzeitig der Startschuss zum Erneuerungsprojekt «Museum 2025».

von Mark Liebenberg

Es war gleich zweimal eine Überraschung. Zuerst wollte die dem städtischen Museum verbundene Sturzeneggerstiftung für das Vierspartenhaus ein Geschoss in der Kammgarn West als zusätzliche Ausstellungsfläche kaufen. Letztes Jahr dann gab die Stiftung bekannt, dass man doch davon absehe. Die erkleckliche Summe von 5,9 Millionen Franken für Kauf und Rohausbau des Kammgarngeschosses solle stattdessen auf andere Weise in die Erneuerung des Museums zu Allerheiligen fliessen.

Seit gestern ist nun bekannt, wie. Die Sturzeneggerstiftung hat mit der Stadt und der Museumsleitung das Projekt «Museum 2025» lanciert. Ein externer Projektmanager nimmt seine Arbeit diesen Monat auf und soll das Haus auf der bestehenden Museumsfläche inhaltlich, betrieblich und baulich auf Vordermann zu bringen.


Entscheide fallen Anfang 2021

In einer ersten Phase soll geprüft werden, in welchen Bereichen welcher Handlungsbedarf besteht. Die Erkenntnisse sollen noch dieses Jahr in eine Auslegeordnung und dann in eine Machbarkeitsstudie einfliessen, in der aufgezeigt werden soll, wie das Museum modernisiert und wie dies finanziert werden kann. Anfang 2021 sollen die beteiligten Player über die konkreten Erneuerungsschritte entscheiden.

Die Entscheidungen fällt ein Gremium, in dem die Museumsdirektorin, drei Stadträte und natürlich auch die Geldgeberin vertreten sind. Die Präsidentin der Stur- zenegger-Stiftung, Hortensia von Roda, sagt gegenüber den SN: «Das Engagement der Stiftung entspricht den Gründern, dem Ehepaar Hans und Claire Sturzenegger- Jeanfavre. Sie haben stets gesagt, das Museum dürfe nicht stehen bleiben.» Es sei ein ambitioniertes Vorhaben, an dem sich die Stiftung gern beteilige. Die Stiftung sei in Bezug auf das Projektergebnis unvoreingenommen. «Auch wenn wir den überwiegenden Teil der Kosten übernehmen, ist es aber keineswegs so, dass wir nach unseren Vorstellungen ein neues Museum konzipieren wollen.» Die Ideen für die Erneuerung kämen in erster Linie aus dem Museum selber und von der Stadt.

Von einem wichtigen Vorhaben für den Kulturplatz Schaffhausen spricht Kulturreferent Raphaël Rohner. «Im Kern steht die Frage, wie man das Museum in den bestehenden Infrastrukturen attraktivieren und weiterentwickeln sowie auch neue Akzente setzen kann.» Ohne die Stiftung hätte man das so nicht gekonnt, so Rohner.

An den konkreten Umsetzungsmassnahmen werde sich indes auch die Stadt beteiligen müssen, sagt Stiftungsrat Stephan Kuhn. «Wir gehen von einem Projektvolumen von sechs bis acht Millionen Franken aus.» Wo es in die Zuständigkeit der Stadt als Betreiberin des Museums falle, etwa bei der behindertengerechten Erneuerung oder Unterhaltssanierungen, sei diese auch am Zuge.


«Das ganze Haus durchleuchten»

Die Verantwortlichen sprechen von einer Modernisierung – immer wieder ist in den letzten Monaten auch das Wort von der «Verdichtung nach innen» gefallen. Nicht gerüttelt werden soll zum einen am Grundauftrag des Museums mit seinen Dauer- und Wechselausstellungen in den Bereichen Kunst, Geschichte (insbesondere Regionalhistorie), Archäologie und Naturkunde.

Aber doch geht es um mehr als ein bauliches Facelifting oder betriebliche Optimierungen. Seit Jahren diskutiert wird eine komplette Neugestaltung der (publikumsstarken) naturkundlichen Abteilung: Sie hätte in der heutigen Ausstellungsfläche in der Kammgarn Nord einen neuen Auftritt erhalten sollen, was dann eben zur Idee einer zusätzlichen Fläche für Wech-selausstellungen in der Kammgarn West führte. Museumsdirektorin Katharina Epprecht: «Wir haben mit diesem Projekt jetzt nicht nur die Möglichkeit, ein einzelnes Problem zu lösen, sondern das ganze Haus zu durchleuchten, eine Auslegeordnung zu erstellen und das Museum insgesamt auf einen zeitgemässen Stand zu bringen.» Das könne auch in die Überarbeitung der Museumsstrategie oder eine neue Schwerpunktsetzung münden, sagt sie.


Vom Ballenberg ins Allerheiligen

Als Leiter des Projekts haben die Verantwortlichen den früheren Direktor des Freilichtmuseums Ballenberg, Peter Kohler, engagiert. Ihn reize die Aufgabe, sagt er. «Das Museum Allerheiligen ist eines der raren Mehrspartenhäuser in reizvollen historischen Gebäuden und mit einem gewissen Bekanntheitsgrad.» Daran gelte es anzuknüpfen, und das sei auch anspruchsvoll an diesem Projekt. Denn es gehe nicht nur um bauliche und betriebliche Fragen.

«Dies gesamtheitlich angehen zu können, ist ein Idealfall für ein Museum.»

Peter Kohler, Projektmanager «Museum 2025»

«Es gibt überdies viele Stakeholder zu berücksichtigen. Ich erwarte, dass es auch eine breite Diskussion geben wird, wohin sich das Haus entwickeln soll. Dies gesamtheitlich angehen zu können, ist ein Idealfall für ein Museum.»


Wiedereröffnung am 12. Mai

Das Museum öffnet seine Pforten nach dem Corona-Lockdown bereits kommende Woche wieder. «Es hat uns alle überrascht, wir hatten erst mit Anfang Juni gerechnet», sagt Epprecht. Der Schweizerische Museumsverband arbeite an Schutzempfehlungen wie Handdesinfektion, Einlasskontrollen und Besucherzahlbeschränkung pro Ausstellungsraum. «Wir werden diese vollumfänglich umsetzen.»Ab Dienstag ist so auch die Ausstellung «Hühner – unterschätztes Federvieh» zu sehen, die am 26. März hätte eröffnen sollen. Führungen und andere begleitende Veranstaltungen sind aber vorerst nicht möglich, und statt einer Vernissage werde es wohl dann eine grosse Finissage geben.

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Informierten gestern das Personal und die Museumskommission über das Projekt: Katharina Epprecht, Peter Kohler, Raphaël Rohner, Hortensia von Roda, Urs Weibel (Kurator Naturkunde) und Stephan Kuhn im Anfang nächste Woche wieder aufgehenden Museum zu Allerheiligen. Bild: Roberta Fele