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Kommt es zum linken Knatsch um den vakant werdenden Stadtratssitz von AL-Vertreter Simon Stocker? Er hatte im letzten Oktober bekannt gegeben, dieses Jahr nicht mehr zur Wiederwahl anzutreten. «Am Schluss müssen wir die Realitäten und Wähleranteile anschauen», sagt nun Urs Tanner, SP-Fraktionschef im Grossen Stadtrat. Er kommt zum Schluss, dass die AL keine rea­listische Chance habe, im August ihren Sitz im Stadtrat zu verteidigen. Darum werde die SP neben Stadtpräsident Peter Neukomm mit ­einer weiteren Person antreten. Damit ­be­stätigt Tanner einen Bericht der «Schaff­hauser AZ».

Gleich daraufhin betont er, dass er keineswegs die Qualität der möglichen AL-Kandidatinnen und -Kandidaten anzweifelt. «Ich bin ehrlich gesagt sogar eifersüchtig auf die Frauenauswahl, welche die AL hat», sagt er. «Ich wollte die AL mit meinen Aussagen nicht ­angreifen.» Zugleich ist er voll des Lobes für Simon Stocker.


Mit drei Personen im Gespräch

Nicole Hinder, Parteipräsidentin der AL Schaffhausen, staunte nicht schlecht beim Lesen von Tanners Aussage. «Ich bin absolut der Meinung, dass wir valable Kandidatinnen und Kandidaten haben», sagt sie. «Ich glaube auch nicht, dass wir keine Chance haben, den Sitz zu verteidigen.»

Bis Ende des Monats will die AL entscheiden, ob sie zur Wahl antritt. «Aktuell sind wir im Gespräch mit drei Personen», so Hinder. Bei den potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten gehe es derzeit darum, zu entscheiden, ob sie diese Lebensveränderung wagen möchten. «Das Stadtratsamt ist nicht vergleichbar mit einer Wahl in ein Parlament», sagt die Parteipräsidentin. «Eine Wahl wäre eine bedeutende Veränderung im beruflichen Leben.»

Was passiert, wenn die AL keine eigene Kandidatur stellt? «Das oberste Ziel ist es, zwei linke Sitze im Stadtrat zu halten», antwortet Hinder. Auf alle Fälle würden sowohl mit der SP als auch mit den Grünen Gespräche laufen. Ein Alleingang bringe nichts – ob man eine eigene Kandidatur habe oder nicht. Wen die AL konkret unterstützen würde, hänge von den Kandidaten ab. «Dazu kann ich mich noch nicht genauer äussern», so Hinder.


Schlatter, Planas und eine Frau

Während von der AL noch keine Namen ins Spiel gebracht werden, tut dies SP-Mann Tanner. Seiner Ansicht nach kämen diverse Personen aus seiner Fraktion in Frage – vier bis fünf valable Kandidaten kämen ihm in den Sinn. Namentlich nennt er Marco Planas, der dieses Jahr als Erster Vizepräsident des Grossen Stadtrats fungiert, sowie Christoph Schlatter. Weitere Namen will er nicht nennen. Nur, dass eine junge Frau ebenfalls zum engeren Kreis gehöre.

Am 2. April entscheidet die Parteiversammlung der SP über die Nominationen für die Stadtratswahl. «Ich äussere mich zwar, aber ich spiele nur eine Nebenrolle», sagt Tanner. Er sei nicht einmal in der Findungskommission.


FDP steht vor Auswahl

Die FDP der Stadt Schaffhausen wird bereits am 20. Februar ihre Nominationsversammlung abhalten. Wie Parteipräsident Stephan Schlatter bekannt gibt, hat die Findungskommission dem Parteivorstand drei Kandidaten vorgeschlagen. Neben dem amtierenden Bildungsreferenten Raphaël Rohner, der erneut antreten will, werfen also zwei FDP-Mitglieder ihren Hut in den Ring. Schliesslich wolle man aber mit einer Person neben Rohner ins Rennen steigen, so Schlatter. Zu den Namen will er bis zur Nominationsversammlung aber nichts sagen.

Hermann Schlatter, Präsident der städtischen SVP, sagt, dass seine Partei wohl Ende März nominieren werde. «Der Vorstand hat ­gewisse Leute im Blick, die er gerne portieren würde.» Eine genaue Zahl möchte er nicht nennen, um Spekulationen zu vermeiden. Er ist aber der Überzeugung, dass ein Schulterschluss zwischen SVP und FDP nötig sei. «Wir müssen meiner Meinung nach wie bei den letzten Stadtratswahlen mit drei Personen gemeinsam antreten», sagt Hermann Schlatter. Noch aber liefen keine Gespräche, wie Stephan Schlatter sagt.