2017 wollte der Schaffhauser Stadtrat das KSS-Hallenbad noch sanieren und erweitern. Jetzt plant er einen Neubau auf dem Parkplatz nebenan.

von Daniel Jung

Es ist erst eine Grobkostenschätzung: Der vom Schaffhauser Stadtrat anvisierte Neubau für des KSS-Hallenbads soll 70 Millionen Franken kosten. Dabei, so betont der Stadtrat, besteht aktuell noch eine Ungenauigkeit von +/- 30 Prozent – der Unsicherheitsbereich liegt also zwischen 49 und 91 Millionen Franken.

Die benötigten Investitionskosten sollen in den nächsten Planungsschritten konkretisiert werden. Dafür beantragt der Stadtrat vom Parlament einen Kredit für Planungsgrundlagen über 450'000 Franken. Damit sollen unter anderem eine Machbarkeitsstudie erstellt, der Baugrund untersucht und Experten im Hallenbadbau beigezogen werden.

Zunächst soll aber der Grosse Stadtrat einen Grundsatzentscheid fällen. Noch 2017 hatte der Stadtrat eine Grundsanierung und Erweiterung des bestehenden KSS-Hallenbads vorgeschlagen. Aufgrund von Diskussionen in der Baufachkommission hatte er seine Sanierungsvorlage dann aber zugunsten eines Neubaus zurückgezogen. Nun soll das Parlament klären, ob er den skizzierten Weg unterstützt.


Technik am Ende der Lebensdauer

Das heutige Hallenbad auf der Breite wurde vom Architekten Ernst Gisel entworfen und 1972 eröffnet. Nach einem Rückgang der Besucherzahlen in den 80-er Jahren wurde das Angebot schrittweise ausgebaut. 1990 kam der Wellnessbereich, 1996 der Ausschwimmkanal dazu. Seit 2004 ist das Freibadbecken mit der mobilen Traglufthalle auch im Winter nutzbar. Mittlerweile sind der Bau und die technischen Anlagen aber am Ende ihrer Lebensdauer angelangt und in einem Zustand, welcher dringend eine Sanierung erfordert. «Die Leitungen sind verkalkt, das Gebäude ist schlecht isoliert und es fehlt eine Wärme-Rückgewinnung», sagte Baureferentin Katrin Bernath gestern. Auch der Rohbau sei bereits im letzten Drittel der Lebensdauer angekommen.

«Wir haben ganz klar den Anspruch, dass uns der Kanton hier angemessen unterstützt.»

Daniel Preisig, Finanzreferent Stadt Schaffhausen

Aber nicht nur aus baulicher und technischer Sicht müsse gehandelt werden, auch aus betrieblicher Sicht drängten sich Massnahmen auf. Anfangs diente das Hallenbad dem Schwimmsport sowie dem Schwimmunterricht der Schulen. In der Zwischenzeit haben sich die Erwartungen der Kundschaft geändert. Neue Sportarten sind ­dazugekommen. Durch die Einführung des Lehrplans 21 erhält der Schwimmunterricht für die Schulen wieder eine grössere Bedeutung. Und: «Das Thema Wellness ist heute wichtiger geworden, auch für Senioren», sagte Bildungsreferent Raphaël Rohner. «Im Hallenbad gibt es heute Aquafit-Wassergymnastik und Babyschwimmen, was früher kein Thema war.»

Bereits heute sei die Kapazität der ­Becken sowohl im Winter als auch im Sommer praktisch ausgeschöpft, womit das Angebot für individuelle Besucher knapp ist. Seit 2001 sind die Besucherzahlen im Hallenbad relativ stabil, was gemäss KSS-­Geschäftsführer Ueli Jäger darauf hinweist, dass das Hallenbad an seiner Kapazitätsgrenze angelangt ist. Die Stadt hat eine Marktanalyse erstellt und unter Einbezug verschiedener Nutzergruppen ein zeitgemässes Raum- und Beckenprogramm entwickelt. Während das Hallenbad aktuell rund 650 m² Wasserfläche hat, sollen es im Neubau rund 1000 m² sein. Im Hauptbecken des Neubaus sollen acht Bahnen zur Verfügung stehen. Neben einem vergrösserten Kinderplanschbecken ist eine Rutschanlage geplant. Zudem soll ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden, ­sowie ein Kurs- und ein Sprungbecken ­geschaffen werden. Diese Ergänzungen sollen Konflikte lindern, indem verschiedene Nutzungen voneinander getrennt werden. Dieses Beckenprogramm liegt der Variante «Neubau 2» zugrunde, die der Stadtrat verfolgen will (siehe Tabelle).

 

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Restaurant heute am falschen Ort

Zur Vereinfachung der Betriebsabläufe ist ein zentraler Eingangsbereich mit Restaurant vorgesehen. Aus heutiger Sicht ist das Restaurant «Timeout» der KSS, das sich in einem separaten Gebäude mitten im Freibad befindet, am falschen Ort. Das ­Angebot soll so insgesamt an den heutigen Bedarf angepasst werden. «Ein Neubau bietet uns die Chance, Mehrerträge zu generieren und effizienter zu werden», sagte Jäger.

Vorgesehen ist der Neubau auf dem heutigen Parkplatz der KSS mit einer Tiefgarage. So kann das bestehende Hallenbad bis zur Erstellung des Neubaus in Betrieb bleiben. «Was danach mit dem Gebäude passiert, ist noch offen», sagte Bernath. Mögliche Nutzungen des heutigen Gebäudes sollen im Verlauf des mehrjährigen Prozesses geprüft werden.

Da das Hallenbad zu rund einem Drittel aus den übrigen Gemeinden des Kantons Schaffhausen besucht wird, erachtet es der Stadtrat als angemessen, wenn sich auch der Kanton an den Betriebs- und Investitionskosten beteiligt. «Wir haben ganz klar den Anspruch, dass uns der Kanton hier angemessen unterstützt», sagte Finanzreferent Daniel Preisig. Der Stadtrat sei dazu mit dem Regierungsrat im Gespräch.

Damit das Risiko für grössere Abweichungen bei den Kosten minimiert werden kann, möchte der Stadtrat mit dem Planungskredit weitere Abklärungen treffen. Basierend auf diesen Ergebnissen soll eine Rahmenkreditvorlage ausgearbeitet werden. Über den Kredit für den Neubau soll voraussichtlich im Jahr 2022 das Volk entscheiden. Erst nach der Volksabstimmung will der Stadtrat dann einen Architekturwettbewerb durchführen. Die Eröffnung könnte 2028 stattfinden.

Parallel dazu prüft der Stadtrat auch die Rechtsform der KSS, die heute eine Genossenschaft ist. Dies wird in einem Postulat von René Schmidt (GLP) gefordert, welches im September vom Grossen Stadtrat einstimmig überwiesen wurde. Diese Ergebnisse sollen vor dem Volksentscheid über die Rahmenkreditvorlage vorliegen.