Ganz der Musik gewidmet war das Programm, das die Stadtmusik Harmonie den Gästen zum 150-Jahr-Jubiläum geboten hat.

von Wolfgang Schreiber

«Ein grosses Kompliment», machte Oskar Christian Brütsch den Organisatoren des Jubiläums «150 Jahre Stadtmusik Harmonie Schaffhausen». Der Kantonalpräsident des Schaffhauser Blasmusikverbandes sprach am Samstagabend im grossen, auf dem Herrenacker errichteten Festzelt seine Anerkennung darüber aus, was die Stadtmusik Harmonie schon «den ganzen Tag leistete». Sie hat unter Präsident Martin Volkart das Jubiläum ganz der Musik ­gewidmet.

Es gab einen Musikspielplatz: Die kleinen Gäste durften Instrumente bauen, musizieren und spielen. Es gab den Auftritt der MusigChuchi. Die drei als ­Küchenpersonal verkleideten Musikanten aus dem Klettgau begeisterten mit ihren Liedern über Pommes Frites und Spaghetti nicht nur die Kinder. Und es wurde musiziert. Die Chläggimusikanten, die Knabenmusik, der Musikverein Merishausen, die United Brass Schaffhausen und, selbst­verständlich, die Stadtmusik Harmonie Schaffhausen unterhielten das Publikum mit Konzerten. Der Kantonalpräsident dankte dem Orchester, dass es das Kulturgut Blasmusik in Ehren hält und überbrachte Präsident Martin Volkart eine Spende für die Notenliteratur.


Unvergessener Dirigent Mantegazzi

Bevor der Kantonalpräsident ans Rednerpult getreten ist, hat zum von der Stadtmusik Harmonie vorgetragenen «Gandria-Marsch» der Fahnengruss stattgefunden. Die Fahne des Kantonalverbandes und die Fahne der Stadtmusik Harmonie wurden von Stadtmusik-Fähnrich Peter Stocker und von seinem Stellvertreter Peter Lenggenhager würdevoll durch die Festhalle ­getragen und vor dem Publikum, das ­begeistert klatschte, geschwenkt. Der «Gandria-Marsch» ist eine Komposition des legendären Gian Battista Mantegazzi. Der Tessiner Komponist und Dirigent ist 1924 zum Direktor der Stadtmusik Schaffhausen gewählt worden. Er leitete das Schaffhauser Blasmusikorchester während 30 Jahren, erinnerte sich am Samstagabend Orchestermusiker Willy Bänteli.

­Roger Huber, Ehrenpräsident der Stadtmusik Zürich und Ehrengast am Jubiläum in Schaffhausen, verwies darauf, dass Mantegazzi, der mit der Schaffhauserin Elsa ­Ermatinger verheiratet war, fast gleichzeitig die Stadtmusik Zürich dirigierte. Mantegazzi, so fanden Huber und Bänteli übereinstimmend, habe beide Blasorchester auf höchstes Niveau gebracht.

«Die Musiker lieben Mante­gazzis Märsche. Sie klingen gut und sind herausfordernd zu spielen.»

Daniel Jenzer, Dirigent Stadtmusik Harmonie

Eine ähnlich lange Zeit, nämlich 22 Jahre hat Hansjörg Bollinger die Stadtmusik geleitet. Zu Bollingers Dirigentenzeit, so erinnerte sich alt Stadtrat Peter Käppler, hat die Fusion der Stadtmusik und der Harmonie, stattgefunden. Es sei kein einfaches Unterfangen gewesen, die Stadtmusik, die als «bürgerlich» galt, mit der «Büezer-Musik» Harmonie zu fusionieren, so meinte Käppler im Small Talk beim Ehrengästeempfang. Doch diese Unterscheidung habe schon lange vorher nicht mehr gegolten. In beiden Orchestern spielten Musikerinnen und Musiker aus allen gesellschaftlichen Schichten.

«Des is es», soll Kaiser Franz Josef von ­Österreich voll Freude gesagt haben, wenn er den «Radezkymarsch» hörte. Es sei, so ­berichtete in seiner Festansprache Kulturreferent Raphaël Rohner, das einzige ­Musikstück gewesen, das der Kaiser wiedererkennen konnte. «Des is es», so fährt es auch den Schaffhauserinnen und Schaffhausern durchs Gemüt, wenn sie den von Mantegazzi komponierten «Munot-Marsch» hören. Der Marsch enthält Tonfolgen des «Munotglöggli»-Liedes. Stadtmusik-Harmonie-Dirigent Daniel Jenzer hat sowohl den «Gandria-Marsch» als auch den «Munot-Marsch» ins Jubiläumskonzertprogramm aufgenommen. «Die Musikerinnen und Musiker lieben diese beiden Märsche. Sie klingen gut und sind herausfordernd zu spielen», sagte Jenzer, der den Munot-Marsch vor der Festansprache des Stadtrates ins Programm nahm. Raphaël Rohner belegte mit Zitaten von Hermann Hesse und Richard Wagner das Wesen und die Wirkung von Musik und bekannte sich, als Fan klassischer Musik, auch als Geniesser der von Blasorchestern gepflegten Unterhaltungsmusik. Rohner wies auf die Freiwilligenarbeit hin, die in und um die Blasorchester geleistet werde. Sie sei wesentlicher Bestandteil des Rufes, den die Stadt Schaffhausen als Kulturstadt ­geniesse. Er lobte die Stadtmusik Harmonie als festen Wert unseres Kulturraumes.

sn 20190930

Die Stadtmusik Harmonie Schaffhausen unter der Leitung von Dirigent Daniel Jenzer konzertiert im Festzelt zur 150-Jahr-Jubiläumsfeier. Bild: Eric Bührer