Förderbeiträge im Wert von 110 000 Franken und zwei Atelierstipendien haben der Kanton und die Stadt Schaffhausen gestern an sechs Kulturschaffende vergeben.

von Elena Stojkova

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht hielt Musiker Philipp Albrecht das Kuvert in die Höhe, das ihm Regierungsrat Christian Amsler im ersten Stock der Kammgarn West überreichte: Gestern Abend vergaben der Kanton und die Stadt Schaffhausen zum 18. Mal Förderbeiträge an Schaffhauser Kulturschaffende. Über 100 Förderbeiträge konnten seit dem Jahr 2002 vergeben werden. Kulturelle Leistungen werden damit gezielt unterstützt. Der einmalige Beitrag sei anders als Projektbeiträge oder Leistungsvereinbarungen, sagte Jens Lampater, Kulturbeauftragter der Stadt Schaffhausen, der am Anlass eine Rede hielt. Er benutzte für diese finanzielle Unterstützung eine Metapher. «Die Fördergelder sind nicht mit einer Giesskanne und auch nicht mit einer konstanten Bewässerung zu vergleichen», sagte er. «Eher mit einer guten Komposition von Dünger und Humus, die ein schnelles Wachstum ermöglichen.» Nicht selten seien solche Unterstützungen ein entscheidendes Puzzleteil für Kulturschaffende.


110'000 Franken für vier Künstler

Abwechselnd überreichten Regierungsrat Christian Amsler und Stadtrat Raphaël Rohner den Gewinnern ihre Kuverts. «Das Geld ist da nicht drin», sagte Amsler. «Wir wollen ja nicht riskieren, dass unsere Künstler überfallen werden.» Der Gesamtbetrag, der zur Vergabe jährlich zur Verfügung steht, beläuft sich auf 110'000 Franken. Musiker Philipp Albrecht ist einer von vier Künstlern, die unterschiedlich hohe Förderbeiträge erhielten – jeweils mindestens 22'000 Franken.

 

«Für die Förderbeiträge und die Atelierstipendien haben wir immer mehr und mehr Bewerber.»

Jens Lampater, Kulturbeauftragter der Stadt Schaffhausen

«Der Schaffhauser Dialekt schmiegt sich scheinbar mühelos in den saftigen Sound von ‹Min King›», sagte Amsler in der Laudatio, die er an die Band richtete. Die drei weiteren Gewinner sind die Künstler Marc Dusseiller, Judith Kakon und Nadja Kirschgarten.

Insgesamt 14 Kulturschaffende bewarben sich für die Förderbeiträge. Fünf aus dem Bereich der bildenden Künste, vier Musiker, jemand aus dem Bereich Film und je zwei aus den Sparten Literatur und Tanz/Theater. «Jedes Jahr haben wir mehr und mehr Bewerber», sagte Lampater. Beurteilt werden die Bewerbungen jeweils von einem unabhängigen Fachkuratorium, das die Gewinner auswählt und über die Höhe der finanziellen Unterstützung entscheidet.


Sechs Monate nach Berlin

Vorsitzender des Kuratoriums war dieses Jahr Michael Rüegg, Co-Leiter des Fabriktheaters der Roten Fabrik. Die Geschäftsführung des Kuratoriums wird vom Kulturbeauftragten Roland E. Hofer wahrgenommen, der auch den Anlass in der Kammgarn West organisierte. Das Kuratorium hat aber nicht nur die vier Gewinner der Förderbeiträge, sondern auch die beiden Atelierstipendiaten auserwählt: Im Jahr 2020 dürfen Künstler David Berweger und Musiker Florian Egli nach Berlin. Egli fehlte am Anlass, da er ein Konzert spielte.

Die Atelierstipendien, die gestern zum 15. Mal vergeben wurden, ermöglichen den Kulturschaffenden, ihrer künstlerischen Tätigkeit sechs Monate lang in Berlin nachzugehen. Sieben Künstler hatten sich dafür beworben: fünf aus dem Bereich Kunst, jemand aus der Sparte Tanz und Theater und jemand aus dem Bereich Musik. Fünf der sieben Personen sind weiblich – durchsetzen konnten sich die beiden Männer. Das Stipendium beinhaltet ein Atelier und eine Wohnung für sechs Monate, ausserdem einen monatlichen Zuschuss an die Lebenshaltungskosten.

Den Anfang, den Übergang von den Förderbeiträgen zu den Atelierstipendien und den Schluss markierten Querflötenspielerin Monique Baumann und Gitarrist Adrian Brenneisen: Drei ganz unterschiedliche Stücke spielten sie – die Klänge waren anfangs sanft und leise, zum Schluss schnell und laut.