Am Montag gedenkte Schaffhausen den Opfern des Bombenangriffs der US-Luftwaffe im Jahr 1944. Auch Bundesrätin Karin Keller-Sutter und US-Botschafter Ed McMullen nahmen teil.

Am heutigen 1. April um 10.50 Uhr war es genau 75 Jahre her, seit die Stadt Schaffhausen versehentlich bombardiert worden ist. 40 Sekunden dauerte das Bombardement der US-Luftwaffe, das als folgenschwerster Angriff in die Geschichte der Schweiz eingehen wird. Die Stadt lag in Trümmern, 40 Menschen verloren ihr Leben, über 100 wurden zum Teil schwer verletzt. 


«Es möge Frieden einkehren»

Schaffhausen veranstaltete heute einen Gedenkanlass. Punkt 10.50 Uhr wurden auf dem gesamten Stadtgebiet die Kirchenglocken geläutet. Zeitgleich versammelten sich Regierungsräte, Kantonsräte und Gäste vor dem Eingang des Waldfriedhofs. Nach Schaffhausen gekommen waren auch Bundesrätin Karin Keller-Sutter und der amerikanische Botschafter Edward McMullen. Auf dem Waldfriedhof legten die Bundesrätin, der US-Botschafter, Stadtpräsident Peter Neukomm und Kulturreferent Raphaël Rohner gemeinsam bei der Gemeinschaftsgrabstätte Blumenkränze für die Opfer des Bombardements nieder. «Innert Sekunden brachen Unglück und Leid über unsere Bevölkerung hernieder. Wir verneigen uns mit Respekt vor den Opfern und den schwer geprüften Angehörigen, verbunden mit dem Wunsch, es möge in Zukunft Friede auf dieser Welt einkehren», so Stadtrat Rohner in seiner Ansprache.

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Bundesrätin Karin Keller-Sutter und der US-Botschafter US-Botschafter Ed McMullen nehmen am Gedenkanlass in der Steigkirche teil.


Entschuldigung im Namen des US-Präsidenten

US-Botschafter Edward McMullen sprach in der Steigkirche über die Attacke der Amerikaner. Er fühle sich geehrt, als Botschafter den amerikanischen Präsidenten sowie das amerikanische Volk zu vertreten. Er entschuldigte sich - im Namen des US-Präsidenten - für die Bombardierung. Er appellierte an die gute Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Amerika. Zusammen sei man darum besorgt, solche Tragödien wie 1944 in Zukunft zu vermeiden. Zudem betonte er, dass das versehentliche Bombardement die Amerikaner sehr betroffen gemacht habe und dass das Land damals sofortige Hilfe leistete.

Auch der reformierte Schaffhauser Pfarrer Martin Baumgartner trat ans Mikrofon, der mit Erzählungen und Beispielen von Überlebenden und Opfer an das tragische Unglück erinnerte. Der katholische Pfarrer Urs Elsener sprach ein Gebet und trauerte nicht nur um die Opfer, sondern war auch dankbar für die Überlebenden. 

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Auf dem Waldfriedhof wurden für die Opfer der Bombardierung zwei Kränze niedergelegt.


Ein Blick zurück und einer in die Zukunft 

Bundesrätin Karin Keller-Sutter erinnerte in ihrer Ansprache nochmals an die schlimmen Vorkommnisse an diesem 1. April 1944. Dazu zitierte sie auch aus einer Rede, die der damalige Stadtpräsident Walter Bringolf nach dem Bombardement gehalten hatte. Danach liess es sich die Neu-Bundesrätin nicht nehmen, auch die aktuelle Lage in Europa anzusprechen. Man sei zwar heute glücklicherweise von lauter befreundeten Ländern umgeben, ein islamistisch motivierter Terrorismus, Hunderttausende Menschen auf der Flucht und ein Russland, welches gewillt ist, seinen Gebietsanspruch militärisch durchzusetzen, hätten für eine Destabilisierung der weltpolitischen Lage gesorgt.  

Der Gedenkanlass wurde um 12 Uhr in der Steigkirche fortgeführt. Die Rednerinnen und Redner wiesen auf die verheerenden Folgen der Bombardierung hin und verliehen in unterschiedlicher Art und Weise ihrem Wunsch Ausdruck, dass sich so ein Ereignis niemals wiederholen möge und Frieden einkehre. Anschliessend wurde im Museum im Zeughaus eine Sonderausstellung über die Bombardierung eröffnet. (uek/lex/daz)