Statt die zweite Etage der Kammgarn West zu kaufen, will die Schaffhauser Sturzenegger-Stiftung in die bestehende Ausstellungsfläche des Museums zu Allerheiligen investieren. Der Stadtrat hat darum das Nutzungskonzept für den Westflügel angepasst.

von Isabel Heusser

SCHAFFHAUSEN. Die Kammgarn West wird anders entwickelt als ursprünglich geplant: Gestern gaben der Schaffhauser Stadtrat und die Sturzenegger-Stiftung bekannt, dass die Stiftung das zweite Obergeschoss im Westflügel nun doch nicht kaufen wird. Vorgesehen war, dass die Stiftung die Etage für 4,9 Millionen Franken erwirbt, eine Million Franken für ­deren Ausbau aufbringt und den Raum anschliessend dem Museum zu Allerheiligen zur Verfügung stellt. Stattdessen wird die Stiftung nun in die Optimierung der bestehenden Ausstellungsflächen des Museums zu Allerheiligen investieren.

Was das genau bedeutet, wurde gestern ­offengelassen. Kulturreferent Raphaël Rohner sprach von einer «namhaften Entwicklung» nach innen, die einen grossen Mehrwert schaffe. Im Museum gebe es heute einige Schwachstellen, die behoben werden müssten. Deutlicher wurde Museumsdirektorin Katharina Epprecht: «In Zukunft werden sicher nicht mehr alle Exponate Platz finden. Da wird es intern noch Reibereien geben.»


Gleichen Betrag investieren

Stadtrat und Sturzenegger-Stiftung betonten gestern beide, dass der Entscheid zu dieser Anpassung gemeinsam gefallen sei, und ­sprachen von einer «grossen Chance» für das Museum. Stiftungsrat Stephan Kuhn sagte, die Finanzen seien nach wie vor vorhanden. Man wolle den gleichen Betrag wie vorgesehen investieren – nur auf einer anderen Ebene. «Der Kammgarn-Westflügel wäre eine wunderbare Ausstellungsfläche», sagte Kuhn. Im letzten halben Jahr habe sich allerdings heraus­gestellt, dass die Nutzung des zweiten Stocks eine grosse organisatorische und finanzielle Herausforderung bedeuten würde.

Mit dieser Änderung ergibt sich eine neue Ausgangslage für die künftige Nutzung des Kammgarn-Westflügels. Gemäss Stadtrat sollen im Erdgeschoss und im ersten Stock wie geplant die Freihandbibliothek, die Ludothek sowie ein Gastronomieangebot Platz finden. Den zweiten Stock will der Stadtrat einer «wirtschaftlichen Nutzung» zur Verfügung stellen – sprich, die Fläche an Unternehmen vermieten. Der dritte und vierte Stock sollen an die Pädagogische Hochschule gehen. «Es macht Sinn, die Schule an einer so prominenten Lage zu positionieren», sagte Stadtpräsident Peter Neukomm dazu.

«In Zukunft werden nicht mehr alle Exponate im Museum Platz finden.»

Katharina Epprecht Museumsdirektorin

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Gaben bekannt, dass die Sturzenegger-Stiftung in die bestehenden Museumsflächen investieren will, statt ein Geschoss in der Kammgarn West zu kaufen: Stiftungsrat Stephan Kuhn, Stadtpräsident Peter Neukomm, Kulturreferent Raphaël Rohner und Museumsdirektorin Katharina Epprecht (von links). BILD MICHAEL KESSLER