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Das Museum zu Allerheiligen wird nicht in den Westflügel der Kammgarn einziehen, sondern soll auf der heutigen Fläche modernisiert werden. Der Stadtrat will in der Kammgarn die PH unterbringen.

von Isabel Heusser

Einen «super Deal» hatte es Stadtpräsident Peter Neukomm genannt. «Wir bekommen sechs Millionen Franken und nutzen das Stockwerk trotzdem selbst.» Und die Sturzenegger-Stiftung hatte von einem «enormen Gewinn» für das Museum zu Allerheiligen gesprochen. Das war vor einem Jahr. Im letzten März hatte der Stadtrat die Planungsgrundlage zur Entwicklung des Kammgarn-Westflügels vorgestellt. Einen wesentlichen Beitrag sollte die Sturzenegger-Stiftung leisten: Sie beabsichtigte, die zweite Etage für 4,9 Mil­lionen Franken zu kaufen, eine Million zu investieren und die Fläche dem Museum zur Verfügung zu stellen. Dies hätte dem Museum erlaubt, die überfällige Sanierung der Naturabteilung anzugehen. Die Abteilung ist heute im Dachgeschoss unter­gebracht und hätte in die heutige Sonderausstellungshalle umziehen sollen – diese wiederum wäre in den Kammgarn-Westflügel verlegt worden.

«Man stellt nicht mehr einfach aus, sondern präsentiert, was im Gespräch ist.»

Raphaël Rohner, Bildungsreferent

Daraus wird nun nichts. Die Sturzenegger-Stiftung wird die zweite Etage nicht kaufen, sondern will den dafür vorgesehenen Betrag in die bestehenden Museumsflächen investieren. «Dort ist das Geld am besten ein­gesetzt», sagte Stiftungsrat Stephan Kuhn gestern an einer Medienkonferenz im ­Museum. Ein Folgeprojekt im Kammgarn-Westflügel hätte grosse finanzielle und ­organisatorische Auswirkungen gehabt, so Kuhn. Man wolle die politische Bereitschaft für die Entwicklung des Westflügels aber nicht überstrapazieren. Nun werde die Stiftung dazu beitragen, dass der heute zur Verfügung stehende Raum im Museum besser genutzt werden könne. Die Natur­abteilung sei beim Publikum sehr beliebt und werde auf jeden Fall saniert.


Andere Anforderungen als früher

Der Stadtrat stehe vorbehaltlos hinter dem Beschluss, sagte Kulturreferent Raphaël Rohner. «Er ist politisch sinnvoll und tragfähig.» Nun könne das Museum schneller modernisiert werden als geplant. Rohner deutete an, dass es im Museum in den nächsten Jahren punkto Ausrichtung und Gewichtung einige Änderungen geben werde. «Wir müssen das Angebot straffen.» Die Anforderungen an ein Museum seien heute anders als früher: «Man stellt nicht einfach etwas aus, sondern präsentiert, was im Gespräch ist», so Rohner. Diesem Grundsatz müsse auch das Museum folgen.

Direktorin Katharina Epprecht sagte, das «Allerheiligen» müsse dem Interesse und der Identifikation der Bevölkerung dienen. «Jetzt haben wir die Möglichkeit, ganz neu zu denken.» Man habe schon oft darüber nachgedacht, «alles zu entleeren und neu auszurichten», so Epprecht. Und machte klar, dass nicht mehr so viele Exponate wie heute ausgestellt werden können, wenn man das Museum modernisieren wolle. Was das genau bedeutet, wurde gestern ­offengelassen. Man werde dem Museum nichts diktieren, sagte Stiftungsrat Kuhn. «Aber es ist klar: Wer Musik zahlt, wird auch mitreden, was gespielt wird.»


«Diese Nutzung bietet sich an»

Wie Stadtpräsident Neukomm gestern sagte, soll die zweite Etage in der Kammgarn West nun an ein oder mehrere Unternehmen vermietet werden, etwa aus der Design- oder Kommunikationsbranche. Und er gab bekannt, wer nach Ansicht des Stadtrates in die dritte und vierte Etage ein­ziehen soll: die Pädagogische Hochschule. Diese Nutzung biete sich an. Die Kammgarn weise eine campusartige Umgebung auf, und die Nähe zur Freihandbibliothek im Erdgeschoss und ersten Stock sei ideal. Mit dieser Ausrichtung nehme der Stadtrat auch die Rückmeldungen aus der parlamentarischen Vernehmlassung und die strategische Zielsetzung der Wirtschaftsförderung auf, so Neukomm.

Ursprünglich war der Stadtrat von 25 Millionen Franken Nettoinvestitionen für die Entwicklung des Kammgarn-Areals ausgegangen. Inwiefern sich diese Zahl nach Anpassung des Nutzungskonzepts verändert, sagte Neukomm gestern nicht, hielt aber fest, die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprojekts verbessere sich.

sn 20190306

Kulturreferent Raphaël Rohner, Stiftungsrat Stephan Kuhn und Museumsdirektorin Katharina Epprecht (v. l.) in der Naturabteilung, die saniert werden muss. Bild: Michael Kessler