Regierungsrat Christian Amsler und Stadtpräsident Peter Neukomm erwarten, dass für die Organisation des FC Schaffhausen eine private Trägerschaft gefunden wird.

von Daniel Jung

Letzte Woche fand die Trauerfeier für Aniello Fontana, den langjährigen Präsidenten des FC Schaffhausen, im Schaffhauser Münster statt. Nun laufen die Verhandlungen für die künftige Organisation des Schaffhauser Profifussballclubs weiter. Dabei stehen drei Optionen im Vordergrund: Die erste Möglichkeit sieht vor, dass die Familie Fontana den Club weiterhin in Eigenregie führt. Die zweite Möglichkeit ist es, den Club an einen noch nicht bekannten, möglicherweise internationalen Investor zu verkaufen – hier laufen bereits konkrete Gespräche. Die dritte Option, die diskutiert wird, ist eine Lösung auf regionaler Ebene: So haben sich verschiedene Personen aus Schaffhausen zusammengefunden, um dem Club eine gute Zukunft zu ermöglichen (siehe SN vom Samstag). Geleitet wird der Verein aktuell von Marco Truckenbrod Fontana, dem Schwiegersohn des verstorbenen Patrons.


Treffen mit Stadt- und Regierungsrat

Welche Rolle spielt in diesem Prozess die öffentliche Hand? Der Regierungsrat und der Schaffhauser Stadtrat stehen in Kontakt mit den Verantwortlichen des FCS, wie Erziehungsdirektor Christian Amsler auf Anfrage erklärt. Die Verantwortlichen des FC Schaffhausen haben Delegationen des Regierungsrates (mit Regierungsrätin Cornelia Stamm Hurter, Regierungsrat Christian Amsler und Staatsschreiber-Stellvertreter Christian Ritzmann) und des Stadtrates (mit Stadtpräsident Peter Neukomm, Stadtrat Raphaël Rohner und Stadtschreiberin Sabine Spross) in einem ersten Gespräch über die aktuelle Situation informiert. Die Delegationen und die Verantwortlichen des FCS werden gemäss Amsler weiter in Kontakt bleiben und sich wieder treffen. Er sagt: «Natürlich sind wir daran interessiert, dass es eine gute Lösung in einem anspruchsvollen Umfeld für den Schaffhauser Fussball geben kann.» Ob und in welcher Form der Kanton den FCS dabei unterstützten wird, sei noch unklar. «Dazu kann keine Aussage gemacht werden, weil es verfrüht ist», sagt Amsler. «Es soll eine Lösung getroffen werden, die positiv für die Zukunft des FCS und des Schaffhauser Fussballs ist.» Kanton und Stadt seien in jedem Fall gesprächsbereit.


«Kanton betreibt kein Stadion»

Klar ist für Amsler, dass der Kanton im Notfall nicht das Stadion des FC Schaffhausen im Herblingertal übernehmen wird. Er sagt: «Der Kanton betreibt ganz sicher kein Fussballstadion.» Zwar sei die Übernehme von Fussballstadien in anderen Regionen bei finanziellen Problemen auf die politische Agenda gekommen. «Das müsste man politisch aber sehr, sehr gut anschauen», sagt Amsler. Ein solches Szenario schaue er persönlich aber als sehr schwierig an.


«Ball liegt bei Familie Fontana»

Auch Stadtpräsident Peter Neukomm blickt gespannt auf die laufenden Verhandlungen zur Zukunft des FCS. Auch er sagt: «Wir hoffen, dass eine nachhaltige, gute Lösung gefunden wird.» Dies würde für ihn bedeuten, dass das Stadion weiterhin auf privater Basis betrieben wird, in Schaffhausen weiterhin Leistungsfussball gespielt und der Nachwuchs gefördert werde. «Das steht im Zentrum.» Die Stadt werde zeitnah von der Familie Fontana über die Entwicklungen informiert. «Der Ball liegt aber bei der Familie», so Neukomm. Die Zukunft des FCS und des Stadions liegt ihm aber aus verschiedenen Gründen am Herzen. «Das Stadion ist eines der grösseren Bauwerke in der Stadt», sagt der Stadtpräsident. Deshalb könne es der Stadt nicht egal sein, was dort passiere.

«Für die Verbundenheit mit dem Club wäre es wohl am einfachsten, wenn es eine regionale Lösung gäbe.»

Peter Neukomm, Schaffhauser Stadtpräsident

Auch Neukomm erwartet nicht, dass sich die öffentliche Hand beim Stadion engagieren werde. «Das wäre sehr, sehr anspruchsvoll.» Dies auch aufgrund der Vorgeschichte: 2015 waren ein geplanter Baubeitrag von zwei Millionen Franken und ein jährlicher Nutzungsbeitrag von 60 000 Franken in der Stadt an der Urne abgelehnt worden. Die Stadt könne sich daher primär ideell engagieren und klar machen, dass ihr die Zukunft des FC Schaffhausen wichtig sei. Die Stadt schätze die Arbeit des FCS, gerade auch im Bereich der Nachwuchsförderung. «Und es braucht im Sport auch Leistungsmannschaften als Aushängeschilder, welche die Jungen motivieren», so der Stadtpräsident.


«Regionale Lösung wäre positiv»

Zu den verschiedenen Zukunftsoptionen sagt Neukomm: «Wir finden es sehr positiv, dass sich auch verschiedene Vertreter aus der Schaffhauser Wirtschaft für die Zukunft des FCS engagieren.» Es sei erfreulich, dass es vielen Schaffhausern offensichtlich nicht egal sei, was mit dem Fussballclub passiere. «Für die Verbundenheit mit dem Club wäre es wohl am einfachsten, wenn es eine regionale Lösung gäbe», sagt Neukomm. Wenn dagegen ein ausländischer Investor den FCS übernehmen würde, wäre dieser Aspekt – die Identifikation der Bevölkerung mit dem Club – sicher anspruchsvoller, sagt der Stadtpräsident überzeugt. Aber auch eine Lösung mit einem ausländischen Investor könne funktionieren. «Es ist dann einfach wichtig, dass es ein nachhaltiges und seriöses Engagement ist», so Neukomm. «Es sollte Perspektiven bieten für die Jugendarbeit und den Leistungsfussball.» Manche Fussballclubs in der Schweiz und im Ausland hätten auch schon negative Erfahrungen gemacht mit internationalen Investoren, die nach ersten Misserfolgen rasch wieder das Handtuch geworfen hätten. Die Abklärungen und Entscheidungen liegen aber in der Hand der Besitzerfamilie Fontana.


Die Liga überprüft neue Investoren und verlangt beim Einstieg finanzielle Garantien

Wenn wie jetzt aktuell im Falle des FC Schaffhausen ein Wechsel der Eigentumsverhältnisse bei einem Club der Swiss Football League (SFL) ansteht, ist das Prozedere genau vorgegeben. Wie Marc Juillerat, der Chief Legal Officer und stellvertrende CEO der Liga erklärt, wird zunächst einmal die Identität des Investors abgeklärt. «Stammt der neue Eigentümer aus dem europäischen Raum, sind diese Abklärungen aus sprachlichen Gründen leichter zu machen, als wenn er aus einem anderen Sprachraum kommt. Dann sind die Abklärungen komplizierter», sagt Juillerat. Es gilt diverse Fragen zu klären: Wie seriös ist der Interessierte? Kann er die finanziellen Vorgaben erfüllen? So ist vorgeschrieben, dass der Neue ein Drittel des Budgets des betreffenden Clubs für den Rest der Saison absichern muss. Das geschieht über eine Bankgarantie, ausgestellt zugunsten der Swiss Football League. «Es muss gewährleistet sein, dass der Spielbetrieb bis zum Ende der Saison sichergestellt ist», erklärt Juillerat. Die Summe orientiert sich am offiziellen Clubbudget, das im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens gegenüber der Liga erklärt wurde. Kommt ein Investor mit einem wesentlich erhöhten Budget zur Liga, wird geklärt wie plausibel diese Zahlen sind.


Löhne absichern

Alle Seiten hoffen natürlich, dass ein Investor sich der Nachhaltigkeit verschreibt und seine Verpflichtungen einhält. Die Schutzmechanismen der Swiss Football League sollen vor allem den Spielbetrieb über eine ganze Saison absichern, Löhne und Sozialabgaben abdecken. Dies ist ein zentraler Punkt, vor allem wenn man sich zurück erinnert, wie ausländische Investoren im Schweizer Fussball schon gewirkt haben.

So etwa beim FC Wil, wo zahlungskräftige Investoren aus der Türkei eines Tages bei Nacht und Nebel wieder verschwunden sind. Auch das Beispiel des ukrainischen Investors Igor Belanow, der in Wil viel Schaden angerichtet hat, bleibt in Erinnerung. In der Romandie wollten einst Investoren ebenfalls ihr Glück im Schweizer Fussball versuchen. Allen gemein war, dass die Investments misslangen. Namen wie die des tschetschenischen Unternehmers Bulat Tschagajew bei Xamax Neuenburg oder Marc Roger und Majid Pishyar bei Servette Genf sorgten für viele Negativschlagzeilen. (dfk)