Unter den Parteien in der Stadt herrscht breiter Konsens: Die Strukturen im Bereich Bildung müssen überdacht werden.

von Dario Muffler

Endlich erkenne auch die Stadt Schaffhausen, dass es in der heutigen, herausfordernden Zeit geleitete Schulen brauche, kommentierte Erziehungsdirektor und Regierungsrat Christian Amsler (FDP) auf Facebook den SN-Artikel «Schulleitungen kommen wieder auf den Tisch». Im Bericht forderte der abtretende Leiter des städtischen Bereichs ­Bildung, Beat Knecht, dass in Schaffhausen Schulleitungen eingeführt werden. Als Folge starker Fluktuation im Schulamt hat Bildungsreferent Raphaël Rohner inzwischen eine Organisationsanalyse eingeleitet. Eine externe Firma soll bis zum April 2019 aufzeigen, wo im Verwaltungsbereich des Schulsystems der Wurm drinsteckt.

Während sich Knecht für geleitete Schulen ausgesprochen hat, schliesst sie sein Vorgesetzter zumindest nicht aus. «Die Einführung von Schulleitungen gehört selbstverständlich zu den Überlegungen, die ­gesamthaft zu einem Vorschlag zur Reorganisation der Führungsebenen und der ­Bildungsverwaltung führen werden», sagt Rohner. Die Evaluation des zurzeit bestehenden Modells «Vorsteher +» gehöre zur Organisationsanalyse. «Der Stadtschulrat wird nach Vorliegen der Ergebnisse darüber beraten, seine Entscheide fällen und anschliessend dem Stadtrat einen Antrag stellen», so der Bildungsreferent weiter.

Rohner betont, dass das Ziel eine optimal aufgestellte Schaffhauser Volksschule sei, wo die Lehrer nicht überlastet seien. «Der Bildungserfolg hängt nach wie vor primär von der Arbeit der Lehrpersonen im Schulzimmer ab: Sie haben Anspruch auf bestmögliche Unterstützung bei der Ausübung ihrer anspruchsvollen und wichtigen Tätigkeit», sagt er.


«Sich keine Grenzen setzen»

Ausser von der SVP ist zu den Bestrebungen im Bildungsreferat aus den Reihen der Stadtparlamentarier viel Lob zu hören. So etwa von SP-Fraktionspräsident Urs Tanner, der sich persönlich mit einem Postulat für Strukturänderungen engagiert. «Dieser Anlauf bietet die Chance, reinen Tisch zu machen», sagt er. «Wir hinken mit unseren Strukturen der Zeit hinterher.» Tanner plädiert dafür, sich bei den Überlegungen zum zukünftigen System keine Grenzen zu setzen. «Das soll aber nicht als Misstrauensvotum gegenüber dem Stadtschulrat verstanden werden», betont Tanner. «Es ist ein konstruktiver Vorschlag, um vorwärtszukommen.»

Neben Tanner hat Anfang November auch Diego Faccani (FDP) einen Vorstoss eingereicht, worin er den Stadtrat beauftragt, die Einführung von Schulleitungen zu prüfen. Dazu Tanner: «Für diesen Vorstoss bin ich dankbar, ohne ihn hätte es meinen Vorstoss nicht gegeben.»


Vorstoss auch im Kantonsrat

Bereits im Frühjahr hatte SP-Grossstadtrat Marco Planas die Diskussion um Schulleitungen in der Stadt Schaffhausen neu entfacht, als er eine Interpellation dazu eingereicht hatte. Wie Bea Will, die Fraktionspräsidentin der Alternativen Liste (AL), sagt, begrüsste die Partei diesen Vorstoss. Damals wie heute sei für die AL klar: Es brauche Schulleitungen. «Da steht unsere Partei dahinter», sagt Will. «Wir sind aber auch sehr froh darüber, dass der gesamte Bereich Bildung durchleuchtet wird.»

Mit Schulleitungen hätten Lehrerinnen und Lehrer eine Führungsperson vor Ort, die auch fachliche Kompetenzen hätte, sagt Will. Das sei im heutigen System nicht so. Eine Schule hat zwar Vorsteher, das sind aber Lehrpersonen mit einem geringen Pensum und kaum Entscheidungskompetenzen. Diese hat der Stadtschulrat inne. «Die Schulbehörde ist aber aus Laien zusammengesetzt, die nicht zwingend einen pädagogischen Hintergrund haben», sagt Will, die selbst Mitglied des Stadtschulrats ist.

«Wir hinken mit unseren Strukturen der Zeit hinterher.»

Urs Tanner, SP-Grossstadtrat

Die Perspektive eines Schulleiters kennt derweil René Schmidt (GLP), Fraktionspräsident der Mitteparteien. «Die heutige Schule braucht diese Position», sagt der ehemalige Schulleiter der Handelsschule KV. «Die Strukturen in unserer Stadt haben einen gewissen Nachholbedarf.» Es brauche zusätzlich zu den Strukturen auch genügend Ressourcen, so Schmidt. Ob es den Stadtschulrat als behördliche Instanz noch brauche oder nicht, das könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, meint er. Im Kantonsrat hat er kürzlich ein Postulat eingereicht, worin er auf kantonaler Ebene flächendeckende geleitete Schulen fordert.

FDP-Fraktionspräsident Martin Egger spricht sich ebenfalls für geleitete Schulen aus. «Im Grundsatz sind wir uns in der Fraktion einig», sagt er und verweist auf das Postulat von Faccani. «Es darf aber keine Doppelstrukturen geben», betont Egger. Sprich: Die Rollen zwischen den verschiedenen Ebenen, etwa Stadtschulrat und Schulleitungen, müssten klar sein. Ansonsten würden unnötige Kosten drohen, die es tunlichst zu vermeiden gelte.

Damit hat sich die Stimmung in der FDP zugunsten von Schulleitungen entwickelt. Für die letzte städtische Abstimmung über Schulleitungen, die im März 2010 stattfand, hatten die Liberalen zwar ein Ja empfohlen. Die Entscheidung fiel damals an der Parteisitzung jedoch äusserst knapp aus. Zudem kämpfte Walter Hotz, damals noch FDP-Mitglied, im Komitee gegen Schulleitungen.


SVP erstaunt über FDP-Vorstoss

SVP-Fraktionspräsident Hermann Schlatter zeigt sich erstaunt darüber, dass die FDP «dem jetzt auch aufgesessen» sei. «Zu den aktuellen Vorstössen können wir uns aber noch nicht äussern», so Schlatter. Die Partei priorisiere derzeit andere Vorhaben, wie das Steuerfussreferendum. Klar ist aber, dass die SVP geleiteten Schulen oder der Abschaffung des Stadtschulrats bisher ablehnend gegenüberstand.