Gestern verwandelte sich die Kirche St. Johann in eine Märchenlandschaft. Die Kinderoper «Hänsel und Gretel» lockte 450 Primarschüler an.

von Marielle Heeb

«Das ist dann schön laut hier drin», ertönte gestern Morgen die sanfte Stimme von Märchenerzähler Marko Simsa. Kein Wunder: Immerhin 450 Primarschüler aus 20 Klassen der Region Schaffhausen besuchten in der Kirche St. Johann eine Mischung aus Märchen, Oper und Konzert. «Es erwartet euch heute von allem ein bisschen», sagte Simsa lachend. Zusammen mit Sopranistin Stephanie Ritz und einem fünfköpfigen Holzbläserensemble wurden die Kinder in die Märchenwelt von «Hänsel und Gretel» entführt. Monologe oder Diskussionen der beiden Sänger Ritz und Simsa liessen die klassische Musik dabei immer wieder in den Hintergrund treten. Mit einfachen Mitteln schufen die Künstler eine authentische Stimmung und erzählten so die Geschichte der beiden im Knusperhäuschen gefangenen Geschwister.


Erinnerungen nach Hause tragen

Immer wieder forderte Simsa die Kinder zum Mitmachen auf: In den Kirchwänden hallten Geräusche stampfender, klatschender und singender Kinder. Der grosse Kinderchor stimmte bekannte Melodien an und wurde somit Teil der Oper. «Durch die interaktive Programmgestaltung nehmen die Kinder eher Erinnerungen mit nach Hause», sagte Stéphanie Stamm. Sie ist in der administrativen Leitung des Musikkollegiums Winterthur tätig und organisierte das Konzertprogramm. In Zusammenarbeit mit «Schaffhausen Klassik» konnte die Produktion, welche am kommenden Wochenende auch im Stadthaus Winterthur präsentiert wird, nach Schaffhausen geholt werden. Stadtrat und MCS-Präsident Raphaël Rohner ist überzeugt, dass der frühe Kontakt mit klassischer Musik zur schulischen Ausbildung dazugehören soll: «An genau solche Momente erinnert man sich später», sagte er.

Auf fröhliche Tanzmelodien folgten an diesem Morgen auch Dissonanzen: Mit Fagott- und Hornklängen sorgten die Bläser für düstere Stimmung und täuschend echte Waldgeräusche. «Findet ihr es schon unheimlich?», fragte Simsa deshalb in die Runde. Ein vehementes «Nein!» forderte die Künstler zum Weitermachen auf. Auch für den Primarschüler Olaf konnte es nicht gruselig genug sein: «Mir hat es am besten gefallen, als die böse Hexe die Kinder verzaubert hat», sagte er verschmitzt.