Eine Rede zum 1. August hält in der Regel nur eine Person. In Buchthalen war das am 31. Juli Stadtrat Raphaël Rohner. Und er sprach über das Sprechen: Es gehöre zu den Grundwerten der Schweiz, dass jeder seine Meinung äussern und frei diskutiert werden könne. Dass dem so sei, das verdanke man zu grossen Stücken der Aufklärungsbewegung, so Rohner weiter. «Die Aufklärung war der entscheidende Schritt weg vom bevormundeten Individuum hin zum emanzipierten Bürger, der sich selbst eine Meinung bilden und diese auch vertreten kann», sagte er. «Und die sich aus dieser Bewegung ableitenden individuellen Freiheitsrechte zeichnen  unseren demokratischen Staat und unsere Gesellschaft noch heute aus.»

Genau diesen Wert, also die offene Gesprächskultur, sieht er bedroht, besonders in der Integrationsdebatte: «Gewisse Kreise wollen eine öffentliche Diskussion über gesellschaftspolitisch nicht unwesentliche  Fragestellungen nicht mehr zulassen», so der Stadtrat. Immer häufiger würde in bestimmten Fragen nur eine wahre Haltung toleriert, ansonsten werde man in eine politische Ecke gestellt. «Diese Tendenz widerspricht – und  ch betone: unabhängig von unserer inhaltlichen Meinung zu den Fragestellungen – unserer von der Aufklärung geprägten demokratischen und freiheitlichen Gesprächskultur», so Rohner. «Die Integrationsdebatte muss geführt und das freie Wort gepflegt werden.»

Wichtig sei es indes auch, die Bedeutung der hier gelebten Werte zu vermitteln und ebenso klare Ansprüche ans Zusammenleben zu formulieren. «Parallel- oder sogar Schattenstrukturen in Familie und Gesellschaft darf es  nicht geben», sagte Rohner. Zu diesen Ansprüchen gehören etwa die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sowie das Erlernen der deutschen Sprache. (dmu)