Die Förderbeiträge und die Atelierstipendien, die Kanton und Stadt jedes Jahr vergeben, ermöglichen es auch dieses Jahr Kunstschaffenden, Projekte voranzutreiben und zu vollenden.

von Alfred Wüger

Eigentlich ist so eine Übergabe der Förderbeiträge an die Künstlerinnen und Künstler stets eine trockene Angelegenheit. Das war auch gestern so, vielmehr es wäre so gewesen, wenn nicht Rebekka Weber am Klavier und Désirée Senn an der Geige mit ihren Klezmer-Stücken dafür gesorgt hätten, dass ein heiterer Hauch durch den Keller des Haberhauses zog. Und das war gut so, denn es ist ja ein freudiger Anlass. Regierungsrat Christian Amsler und Stadtrat Raphaël Rohner übergaben anschliessend die Blumen sowie die Couverts mit den Urkunden im Turnus an die ausgezeichneten Kunstschaffenden.


Kulturverein Zwischenraum

Zuvor aber hatte die Jurypräsidentin Andrea Reiter das Wort an die Anwesenden gerichtet, unter ihnen auch der derzeit höchste politische Schaffhauser, Kantonsratspräsident Walter Hotz (SVP), sowie der parteilose Ständerat Thomas Minder. 18 Kandidaten, so Andrea Reiter, hatten sich um die Förderbeiträge beworben, davon vier in der Sparte Musik, zwei in der Literatur, zwei im Bereich Tanz und Theater, acht bildende Künstler und zwei Filmschaffende. Eine bunte Palette in der Tat, und alles auf sehr hohem Niveau, so die ­Jurypräsidentin.

Als Erste der Ausgezeichneten bat Christian Amsler dann Michael Stoll und Angelika Dreher auf die Bühne. Unterstützt werden die beiden für den von Michael Stoll initiierten Kulturverein Zwischenraum, der einen Teil der ehemaligen Hallen für Neue Kunst frisch beleben will. «Das Kollektiv plant, regionale, nationale und internationale Szenen zusammenzuführen», so Amsler, der die 16 000 Franken mit der «umtriebigen Ergänzung der Schaffhauser Kunstszene» durch den Kulturverein Zwischenraum begründete.

Der Autor Daniel Mezger bekommt 20 000 Franken für sein Buchprojekt «Alles ausser ich». Mezger will herausfinden, wie vage das Bild ist, das sich andere von einem machen. «Und was, wenn man mit der eigenen Identität zu hadern beginnt?»

25 000 Franken gehen an den Jazzmusiker Urs Vögeli. Mit dem Geld kann er drei Videos fertigstellen und vor allem, mit seiner Formation Ghost Town, an einem neuen Musikprojekt arbeiten. «Songs for the Low» heisst es und thematisiert Depression als Krankheit. Wer sonst noch alles in den Genuss von Fördergeldern kommt, ist im Kasten rechts vermerkt.


Neun Bewerber für das Atelier Berlin

Bekanntlich unterhält Schaffhausen in Berlin ein Atelier, und die Stipendien, die einen Aufenthalt dort ermöglichen, sind sehr beliebt. Dieses Jahr wird das Atelier Velimir Ilisevic zugesprochen, der ja demnächst sein Atelier in Stein am Rhein verlässt, um ein halbes Jahr in Paris zu arbeiten. In Berlin will er den Expressionismus studieren. Das Kuratorium ehrt den Maler dafür, dass er sich seit Jahrzehnten passioniert der Malerei widmet.

Das zweite Atelierstipendium geht an Ursula Scherrer. Sie konfrontiert in ihrer filmischen Arbeit das Publikum mit Bildern von entfremdeter Natur, um so neue Perspektiven zu eröffnen. Um das Berliner Atelier hatten sich sechs Frauen und drei Männer beworben.

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Angelika Dreher (mit Blumen) und Michael Stoll (r., mit Bart) vom Kulturverein Zwischenraum bei der Vergabe. Bild: Eric Bührer


Diese Schaffhauser Künstler erhalten die Förderbeiträge

Michael Stoll und der Kulturverein ­Zwischenraum bekommen 16 000 Franken für die Initiative, einen Teil der ehemaligen Hallen für Neue Kunst im Zentrum Schaffhausens neu zu beleben. Marion Ritzmann – bereits 2014 mit einem Förderbeitrag bedacht – werden 17 000 Franken zugesprochen. Sie wird in Texas Eindrücke von Orten in ihre Kunst überführen. Sebastian Weber hat sich an der Filmschule im polnischen Lodz zum Kameramann ausbilden las- sen und bekommt nun 17 000 Franken für ein neues Dokumentar­filmprojekt, bei dem er die Schweiz mit neuem Blick erkunden will. ­ Daniel Mezger wird bei seinem neuen Buchprojekt «Alles ausser ich» mit 20 000 Franken gefördert. Erlebtes und Erdachtes wird miteinander ­verknüpft, und die Figuren kreisen um die Frage, wer sie sind. Jana ­Honegger und Kent Clelland bekommen 15 000 Franken als Unter­stützung für die Fertigstellung ihrer audiovisuellen Performance mit selbst entwickelter Software. Der Jazzgitarrist Urs Vögeli kann dank des Förder­beitrages von 25 000 Franken drei Videos fertigstellen sowie das Musikprojekt «Songs for the Low» ver­folgen.

Das eine Atelierstipendium für das Jahr 2019 geht an Velimir ­Ilisevic. So kann er nach Paris sechs Monate in Berlin arbeiten. Das andere Atelierstipendium für Berlin geht an Ursula Scherrer. Sie verwebt in ihren Arbeiten Tanz, Performance, Texte, Musik und Filmbilder. In Berlin plant Ursula Scherrer, den Stadtraum filmisch zu erkunden. (Wü.)