Gestern Abend wurde der Entwurf der Kulturstrategie der Stadt Schaffhausen präsentiert. Das Angebot soll künftig ausgebaut werden.

von Daniel Jung

Bis zum Jahr 2023 soll die Stadt Schaffhausen eine neue, mittelgrosse Theaterbühne erhalten mit etwa 100 bis 200 Sitzplätzen. Aktuell bestehen sowohl kleinere Bühnen wie das Haberhaus als auch grössere ­Auftrittsorte wie das Stadttheater. Im mittleren Segment fehlt in der Stadt aber ein Angebot. Das soll sich nun ändern. Entstehen soll eine gut einsehbare Bühne für die freie Tanz- und Theaterszene, wo die Zuschauer auf einer Rampe sitzen und so einen guten Blick auf das Geschehen haben. Ein möglicher Standort für einen solchen Produktions- und Aufführungsort wäre die Bach-Turnhalle. Bis zum Jahr 2020 sollen aber verschiedene Standorte geprüft und Fragen zur Trägerschaft und zu den Finanzen geklärt werden.


Nun startet die Vernehmlassung

Die mittelgrosse Theaterbühne ist eine konkrete Massnahme, die in der Kulturstrategie der Stadt Schaffhausen für die Jahre 2018 bis 2028 enthalten ist. Der Stadtrat hatte bereits im April 2017 angekündigt, dass ein neues Grundlagenpapier zum Kulturbereich erarbeitet werde. Im letzten September machte sich dann die städtische Kulturkommission an die Arbeit. Neben ­öffentlichen Kultur-Workshops (die SN berichteten) fanden auch Sitzungen mit dem privaten Kulturbündnis statt. Gestern wurde der Entwurf in die Vernehmlassung geschickt. Im Oktober will der Stadtrat die definitive Strategie verabschieden. Sie ersetzt das Konzept «KulturRaumSchaffhausen» aus dem Jahr 2001. Damals war unter anderem das Prinzip der Leistungsvereinbarung mit Kulturträgern eingeführt worden.


Ausbau der Rolle der Stadt

Mit der neuen Kulturstrategie soll die Stadt Schaffhausen als Kulturstadt gestärkt und weiterentwickelt werden. «Es ist eine Strategie, die auch auf einen Ausbau zielt», sagt Jens Lampater, Kulturbeauftragter der Stadt. Trotzdem gelte es, wie bei jeder Verlängerung einer Leistungsvereinbarung, das Bestehende regelmässig kritisch zu hinterfragen.

Neben der neuen Theaterbühne sind verschiedene weitere Massnahmen geplant. Weiterhin will die Stadt lokalen Kulturschaffenden und Veranstaltern die Nutzung städtischer Räume zu vergünstigten Konditionen ermöglichen: Die etablierte Vermietungspraxis für Museum, Stadttheater, St. Johann oder Münster soll fortgesetzt werden. Weiter sollen auch private Träger von Kulturräumen unterstützt werden – also die IG Kammgarn, die Probebühne Cardinal oder die Haberhaus Bühne.

Bildungsreferent Raphaël Rohner betont, dass das freiwillige Engagement im Kulturbereich weiter gepflegt werden soll. «Die Ehrenamtlichkeit ist eine unserer Stärken.» Dies solle auch künftig seinen Platz haben. Neu will die Stadt bis 2023 eine Onlineplattform zur Raummiete erstellen, um einen unkomplizierten Zugang zu Ateliers, Proberäumen und Ausstellungsorten anzubieten.


Mehr Schüler ins Theater bringen

Mehr investieren will die Stadt in die Vermittlung von Kultur. Bis 2023 soll eine Teilzeitfachstelle für Kulturvermittlung im Schulamt der Stadt Schaffhausen geschaffen werden. «Schaffhausen hat in diesem Bereich Aufholbedarf», sagt Lampater. Dafür wird eine Zusammenarbeit mit dem Kanton angestrebt. Diese Stelle soll unter anderem Theaterbesuche von Schulklassen erleichtern und Vermittlungsmaterialien anbieten.

Neu soll bis 2021 eine «Kultur-Legi» eingeführt werden. Hier plant die Stadt eine Zusammenarbeit mit dem Kanton und weiteren Partnern. Wie in anderen Schweizer Städten soll die «Kultur-Le- gi» einkommensschwächeren Bewohnern einen günstigen Zugang zu Kulturangeboten ermöglichen. Um grosse Kulturanlässe in der Stadt Schaffhausen vermehrt sichtbar zu machen, will die Stadt die Werbemöglichkeiten im öffentlichen Raum verbessern.


Schaffhauser Kulturwoche

Um das Kulturleben der Stadt und speziell die von der Stadt geförderten Projekte noch stärker sichtbar zu machen, soll eine Schaffhauser Kulturwoche realisiert werden. Auch medial soll das Kulturangebot stärker sichtbar werden. Hierfür will die Stadt künftig stärker mit der Wirtschafts-, Standort- und Tourismusförderung kooperieren. Bis 2020 ist so ein Ausbau der personellen Ressourcen im Bereich Kommunikation beim Kulturdienst der Stadt vorgesehen. Ebenfalls will die Stadt ab 2019 einen halbjährlichen, kostenlosen Kulturversand für Flyer anbieten.

«Der Reality-­Check des Grossen Stadtrats muss bei jeder Massnahme separat überstanden werden.»

Jens Lampater, Kulturbeauftragter

«Wir sind überzeugt, dass die Kultur ein wichtiger Standortvorteil für die Stadt darstellt», sagt Rohner. Das breite Angebot in Schaffhausen trage massgeblich zur Lebensqualität bei. Auch stärke Kultur die Gemeinschaft und sei ein zentraler Aspekt der Bildung. Nicht zuletzt wohne der Kultur auch ein grosses Wertschöpfungspotenzial inne, wie verschiedene ökonomische Studien gezeigt hätten. Deshalb sei es für die Stadt richtig, in die Kultur zu investieren. Alle Ausgaben müssen über den normalen Budgetweg vom Parlament bewilligt werden. Die Kulturstrategie weist insgesamt in Richtung eines stärkeren Engagements der Stadt im Kulturbereich. «Dafür gibt es ein Commitment des Gesamtstadtrats», sagt Rohner. Es sei immer auch schon ein Anliegen der liberalen Kräfte gewesen, die Kultur zu stärken. Aufgrund des Planungsstands seien die einzelnen Massnahmen derzeit aber noch nicht finanziell bezifferbar, erklärt Lampater. «Der Reality-Check des Grossen Stadtrats muss dann jedes Mal separat im Budgetprozess überstanden werden», sagt der Kulturbeauftragte.

Die Umsetzung der Massnahmen soll in den Jahren 2018 bis 2028 von der Kulturkommission als Aufsichts- und Begleitorgan kontinuierlich überprüft werden. Auch mit dem Kulturbündnis sind jährliche Austauschgespräche vorgesehen.

 

Entwurf steht – öffentliche Diskussion kann beginnen

Eine neue Bühne für Schaffhausen (vielleicht in der Bach-Turnhalle), eine Kulturwoche, mehr Stellenprozente für Vermittlung, eine «Kultur-Legi» – es gibt viel, was am Entwurf zu einer neuen Kulturstrategie gelobt, kritisiert, kurzum: diskutiert werden kann. Dies setzt allerdings voraus, dass man weiss, was in dem gut dreissigseitigen Dokument drinsteht. Dies war gestern Abend bei den wenigsten der rund 40 Gäste im Haberhaus der Fall; gekommen waren sie, um zu erfahren, zu welchem Resultat die bald seit einem Jahr andauernden Anstrengungen mit unter anderem zwei gut besuchten öffentlichen Workshops geführt haben.

«Ich denke, wir haben eine Strategie erarbeitet, die konsensfähig ist. »

Thomas Hauser, Mitglied Kulturkommission

Die Stadtregierung hatte den Entwurf auch erst diese Woche abgesegnet. So steckte eine muntere Talkrunde aus Mitgliedern der für den Inhalt verantwortlich zeichnenden Kulturkommission von Moderator Matthias Wipf zunächst einmal den Rahmen ab, wie es nun weitergeht, und beschrieb, von welchen zentralen Gedanken der Entwurf geleitet ist.

«Streuen Sie das Dokument breit, jetzt soll die Diskussion richtig starten, damit sich eine grosse Mehrheit der Kulturszene nachher hinter diese Strategie stellen kann», forderte Beat Junker (Kammgarn) die Anwesenden auf. Mit dem gestrigen Tag beginnt eine breite Vernehmlassung, bei der sich jedermann zum eingeschlagenen Weg äussern kann. Sie dauert bis Ende August. Dann will die Kulturkommission die eingegangenen Wortmeldungen sichten und allenfalls in ein Schlussdokument einfliessen lassen. Dann soll der Stadtrat die endgültige Fassung der Kulturstrategie 2018 bis 2028 der Stadt verabschieden. Thomas Hauser (Ex-«Stars-in-Town») meinte: «Man kann möglicherweise kritisieren, dass die Strategie nicht besonders visionär ist – ich bin aber der Überzeugung, dass wir damit eine Strategie erarbeitet haben, die konsensfähig ist.» Galeristin Karin Rabara meinte, der Dialog in den Workshops, in den alle miteinander getreten seien, sei wichtig gewesen: «Vielleicht hat es das Gespräch zwischen den privaten und den städtischen Kultur-Playern und zwischen den Sparten in den letzten Jahren zu wenig gegeben. Eigentlich sollten wir das jedes Jahr so durchführen.»

Aber warum die Strategie nur von Räumen, Vermittlung und Wirkung, nicht aber von der Förderung der Kulturschaffenden selbst spreche, wollte eine Stimme aus dem Publikum wissen. Das Angebot und damit die Kulturschaffenden stünden implizit im Zentrum, sagte die Runde. An den bisherigen Förderinstrumenten ändere sich nichts. Wer bei der Stadt den Lead habe bei der Umsetzung der Massnahmen – von denen einige ja noch durchs Parlament müssen –, wollte jemand wissen. «Der Lead liegt ganz klar beim Kulturreferat», antwortete Raphaël Rohner. (lbb)