Das Schweizerische Rote Kreuz Schaffhausen feierte seinen 125. Geburtstag mit klassischem indischem Tanz, Alphorn und Hackbrett.

Fünf stolze junge Frauen tanzen auf der Bühne im Park Casino zu Tablas und Sitarmusik, temperamentvoll und in präziser Choreografie, mit eleganten Handbewegungen und faszinierendem Augenspiel. Eine von ihnen ist ­Sahanna, Jugendmitglied des Schweizerischen Roten Kreuzes Kanton Schaffhausen. Ein farbenfrohes Fest für Augen und Ohren als Auftakt zur Jubiläums-Mitgliederversammlung am Donnerstagabend zur Feier des 125-jährigen Bestehens.

Nach dieser farbigen Darbietung finde er seine trockenen Worte nicht so passend, gab Vorstandsmitglied Raphaël Rohner zu. Humanität bekomme in unserer Zeit immer grössere Bedeutung, stellte er fest, und das Prinzip der Freiwilligkeit sei keine Selbstverständlichkeit. Er dankte ­allen Mitgliedern und Freiwilligen, die effizient und ohne grossen Staatsapparat helfen und damit auch die öffentliche Hand entlasten, gemäss den sieben Rotkreuzgrundsätzen Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität: «Der Gedanke des Roten Kreuzes, der die ganze Welt umspannt, sollte weltweit noch mehr zum Tragen kommen.»

Annemarie Huber-Hotz, seit 2011 Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes und davor von 2000 bis 2007 Bundeskanzlerin, gratulierte zum 125. Geburtstag und zollte ein grosses Lob: «In fast allen Dienstleistungen konnte das Rote Kreuz Schaffhausen zulegen – und ich bewundere hier die Fähigkeit, neue Dienstleistungen aufzubauen.» Das Motto «Tue Gutes und rede darüber» erfülle man mit der schönen Jubiläumsschrift (vgl. Kasten unten) und den Ausgaben der «Schaffhauser Rotkreuz-Zeitung», die den SN im Frühling und im Herbst beiliegen.


Blick auf eine Erfolgsgeschichte

Geschäftsführerin Christine Gautschi dankte allen Mitarbeitenden und Freiwilligen für ihren Einsatz und ihren Teamgeist und präsentierte einige Zahlen. Der Umsatz stieg von rund 470 000 Franken im Jahr 2000 auf 1,8 Millionen Franken 2017, die Mitgliederzahl von 1274 im Jahr 2000 auf 5388 im Jahr 2017, die Freiwilligenstunden von 12 678 im Jahr 2000 auf 26 585 im Jahr 2017. Dann wies sie auf die weiteren Veranstaltungen im Jubiläumsjahr hin – den Gesundheitsparcours am 25. August auf dem Fronwagplatz, den Bevölkerungsschutztag am 22. September beim Zeughaus, wo die Blaulichtorganisationen sich vorstellen werden, die Herbstausgabe der «Rotkreuz-Zeitung», die wiederum den SN beiliegen wird, und schliesslich die Herbstmesse vom 24. bis zum 28. Oktober auf der Breite.

«Der Gedanke des Roten Kreuzes, der die ganze Welt umspannt, sollte noch mehr zum Tragen ­kommen.»

Raphaël Rohner, Vorstandsmitglied SRK SH und Stadtrat

53 stimmberechtigte Mitglieder seien anwesend, stellte Präsident Peter Strohm fest und schlug vor, es mit dem Zählen der Stimmen so zu halten wie an Appenzeller Landsgemeinden: «Der Präsident entscheidet.» Der Jahresbeitrag wurde einstimmig bei 40 Franken für Aktivmitglieder, 150 Franken für Kollektivmitglieder belassen, dem Vorstand Décharge erteilt.

«226 000 Franken Gewinn beweisen das grosse Engagement aller Beteiligten», konstatierte Vorstandsmitglied Roland Müller mit Blick auf das Jahr 2017. Bei der Vorstellung des Budgets 2018 rechnete er mit einer roten beziehungsweise schwarzen Null.

Die ruhigen Naturtöne des Alphorns von Michelle Sonderer und das metallisch-muntere Hackbrett ihres Bruders Pascal rundeten den Festakt ab – zuerst auf der Bühne, dann im Freien zum Apéro.


Ehrungen und Verabschiedungen

Für 30 Jahre Rotkreuz-Fahrdienst geehrt wurde Silvia Merk aus Rüdlingen, 25 Jahre als Rotkreuz-Fahrerinnen im Einsatz sind Marianne Brühlmann aus Altdorf, Rosmarie Brühlmann-Wenger und Ursula Troxler aus Lohn. Für 10 Jahre Rotkreuz-Fahrdienst wurden Irmgard Blumentritt aus Hallau, Markus Gasser aus Gächlingen, Max Hauser aus Neunkirch, Silvia Kern aus Buchberg, Marianne Klarer und René Kürsteiner aus Schaffhausen, Ruedi Mathys aus Hallau, Jürg Naef aus Stetten, Elisabeth Ruh und Heinz Ruppli aus Thayngen, Kurt Senti aus Rüdlingen und Hans Schön aus Neuhausen geehrt.

Als Rotkreuz-Fahrerinnen und -Fahrer verabschiedet wurden Werner Bühlmann und Inge Elvedi aus Schaffhausen, Francesco Lorenzetti aus Stein am Rhein, Fritz Müller aus Schaffhausen, Ruedi Schaffner aus Schleitheim, Alice Schlegel aus Schaffhausen, Hans Schön aus Neuhausen, René Vetterli aus Stein am Rhein und Antoinette Wieser aus Schaffhausen.


Von der Geschichte und den wichtigsten Engagements

Es sei Henry Dunant persönlich gewesen, der sich um die Gründung einer Schaffhauser Sektion des Schweizerischen Roten Kreuzes bemüht habe. Der Gründer der humanitären Organisation habe einen Brief an die Sekretärin des «Schaffhauser Intelligenzblattes» geschrieben und darin beliebt gemacht, dass sich auch in Schaffhausen eine Sektion des Roten Kreuzes gründe. Das soll im Jahr 1882 gewesen sein. Elf Jahre später wurde es dann Tatsache: 29 Frauen und Männer trafen sich im Bachschulhaus in Schaffhausen, um den «Verein vom rothen Kreuz» zu gründen. Inzwischen sind 125 Jahre vergangen und diese Anekdote ist in der Festschrift des Schweizerischen Roten Kreuzes Kanton Schaffhausen zu lesen. Zum Jubeljahr verfassten Suzanne Jeske und Christine Gautschi eine Jubiläumsschrift. «Eine Erfolgsgeschichte über 125 Jahre. Gemeinsam für mehr Menschlichkeit im Kanton Schaffhausen 1893–2018» heisst sie und ist im Meier Buchverlag Schaffhausen erschienen. Frewilligenarbeit ist zentral Auf 52 farbigen Seiten wird die Geschichte anhand bedeutender Jahreszahlen nachgezeichnet. So werden die Samariterdienste in den beiden Weltkriegen erwähnt. Genauso Platz findet die Schaffung einer Geschäftsleitung im Jahr 2000. Ganz deutlich geht aus dem Text auch hervor, welche grosse Bedeutung die Freiwilligenarbeit in der Geschichte des Roten Kreuzes gespielt hat und noch immer spielt. Etwa die Unterbringung von Hunderten von belgischen und französischen Kindern bei Schaffhauser Familien in den Jahren 1941 und 1942 wird erwähnt. Aber auch das noch heute geleistete Engagement wird geehrt. So könnte etwa der bedeutende Fahrdienst des Roten Kreuzes nicht ohne Freiwillige durchgeführt werden. Die beeindruckende Zahl der Kilometer, die so jedes Jahr zurückgelegt wird, erfährt man in der Jubiläumsschrift ebenfalls. Einen Platz erhalten hat auch das neuste Angebot, das Jugendrotkreuz, wo sich Jugendliche und junge Erwachsene beispielsweise in Mentoringprogrammen engagieren. (dmu)