Klar, dass der Munot bei den Burgen- und Schlösser-Tagen grenzenlos nicht fehlen durfte: Es gab unbekannte Seiten zu entdecken, und Mythen wurden bekämpft.

von Daniel Lay

Gut sichtbar thronen sie an markanten Stellen, sind Zeugen einer langen Geschichte und dabei mythen- und geheimnisumrankt, da ihre genaue Geschichte nur wenige kennen und der Zugang eingeschränkt ist: Schlösser und Burgen. Auch in der Region Schaffhausen gibt es mehr als ein Dutzend davon. So griff der Verein Agglomeration Schaffhausen, der mit kulturellen und freizeitbezogenen Aktivitäten den Zusammenhalt stärken will, diesen Widerspruch von Präsenz und Unwissenheit auf und organisierte die Burgen- und Schlösser-Tage grenzenlos. Klar, dass da auch der Munot nicht fehlen durfte: Am Sonntag lockten Ponyreiten und Ritterkostüme die Kinder sowie Führungen die Erwachsenen in Scharen auf das Schaffhauser Wahrzeichen.


Keine Skelette und keinen Kerker

Und die Führungen von Munotwärterin Karola Lüthi und ihrem Vorgänger Christian Beck boten – nachdem Stadtrat Raphaël Rohner in seiner Eröffnungsrede darauf hingewiesen hatte, welches finanzielle Wagnis der Bau des Munots im 16. Jahrhundert gewesen war – genau das, was man sich erhofft hatte: Zugang zu sonst nicht zugänglichen Bereichen, Informationen über die Legenden rund um das Bauwerk. Nach dem Zugang zum Wehrgang über eine enge, dunkle Wendeltreppe beseitigte Lüthi beim Römerturm einen ersten Mythos: «Der Römerturm stammt nicht aus der Zeit der Römer. Früher nannte man alte Gebäude gern römisch.» Und nachdem die Gruppe über den Weinberg in die Festung zurückgekehrt war und einen sonst nicht zugänglichen Gang betreten hatte, der an ein Verliess erinnerte, ging der Kampf gegen die Mythen weiter: «Hier unten befinden sich kein Kerker und keine Skelette.» Der Gang dient dazu, die vorgelagerten Kaponniere zu erreichen, durch deren Schiessscharten die Soldaten die Festung verteidigten. Plötzlich durchzog der Duft nach grillierten Würsten von der Festwirtschaft des Munotvereins auf der Zinne die kühle Luft. Die Munotwärterin griff den Faden auf: «Es ist gut, dass wir die Würste riechen. Das zeigt, dass die Luftzirkulation funktioniert, was wichtig war, damit die Soldaten im Ernstfall nicht schon vor den Kampfhandlungen ausser Gefecht gesetzt waren.» Die Schiessscharten sind auch heute noch nützlich: Als sich im letzten Jahr im Geweih eines Hirsches im Gehege etwas verfangen hatte, konnte das Tier durch einen Schuss aus einer der Scharten betäubt werden. Dann zeigt Lüthi auf eine rechteckige Öffnung. «Dieser Gang wurde erst kürzlich bei Restaurationsarbeiten entdeckt und war wohl als Fluchtstollen gedacht. Der Munot hat – da Pläne fehlen – noch nicht alle Geheimnisse preisgegeben.» Material für weitere Burgen- und Schlösser-Tage wäre also vorhanden.