Drucken

Die Ausstellung «Motorisierung und Mechanisierung der Schweizer Armee» des Museums im Zeughaus hat vorläufig einen neuen Platz in der alten Stahlgiesserei.

von Martin Edlin

Weder die Panzer-Ungetüme mit ihren Geschützrohren können den Lauf der Zeit und damit das Entstehen von Neuem stoppen, noch taugen die alten Militärfahrzeuge dazu, vor der Entwicklung die Flucht zu ergreifen. Aber sie markieren mit ihrem musealen Zeugnis ein Stück des Weges nicht nur der Wehrhaftigkeit unseres Landes, sondern auch der wirtschaftlichen und insbesondere der industriellen Entwicklung Schaffhausens vom Einst über das Heute in die Zukunft. Denn hier, auf dem Areal der ehemaligen GF-Stahlgiesserei im Mühlental, wo die Ausstellung «Motorisierung und Mechanisierung der Schweizer Armee» ihr Zuhause gefunden hat, entsteht ein ganzes neues Stadtviertel und scheint kein Stein auf dem anderen zu bleiben. Auch die Halle, in der bisher die Ausstellung als Teil des Museums im Zeughaus untergebracht war, steht nicht mehr und ist einer vorübergehenden Trümmerlandschaft gewichen.

Das Ausstellungsgut – 50 historische Radfahrzeuge und 17 Panzer samt Schrifttafeln und Videobildschirmen – konnte dank des grosszügigen Entgegenkommens der Bauherrschaft einige Meter zur Mühlentalstrasse hin in die einstige Veranstaltungshalle gezügelt und dort auf mehr Raum und damit übersichtlicher wieder aufgebaut werden. Allerdings nur als Zwischenlösung: In weniger als zwei Jahren werden auch hier die Abreissbagger auffahren.


Verknüpfung von Armee und Industrie

Das neue Zuhause der Ausstellung in der Stahlgiesserei öffnete am Samstag erstmals seine Pforten für das Publikum. Und es kam in grosser Zahl, darunter Politprominenz wie die Schaffhauser Nationalratsdelegation aus Martina Munz und Thomas Hurter, Ständerat Hannes Germann, Stadtrat Raphaël Rohner und Kantonsratspräsident Walter Hotz, dazu zahlreiche Vertreter von Wirtschaft, Militär und Kultur (etwa Katharina Epprecht, Direktorin des Museum zu Allerheiligen). Regierungsrätin Cornelia Stamm Hurter – es war ihr erster öffentlicher Auftritt in ihrem neuen Amt – lobte das Museum im Zeughaus als zwar noch junge Institution, die jedoch «Reife und Intensität» aufweise und lebendig Einblick gebe in ein Stück Geschichte, das «die Verknüpfung der Armee mit der einheimischen Industrie und deren Innovationskraft» sichtbar mache. Denn Forschung und Entwicklung in unserem Land werde zu zwei Dritteln von der privaten Wirtschaft getragen.

Die Vernissage der Ausstellung am neuen Ort war nicht nur ein viel beachteter Anlass, dem die Schaffhauser Big Band Tonum unter der Leitung von Urs Pfister die musikalische Umrahmung gab und wo eine Festwirtschaft zum Verweilen lud (trotz der Kühle der Örtlichkeit), sondern setzte auch den Anfang für eine zusätzliche Öffnungszeit: Zu den bisherigen Museumstagen am letzten Samstag jedes Monats (von März bis neu nun Dezember) zwischen 10 und 16 Uhr (mit dem Shuttledienst zwischen altem Zeughaus auf der Breite zur Stahlgiesserei) kommen künftig alle Dienstage dazu, an denen das Museum im Zeughaus interessierten Besuchern die Türen öffnet.


«Einzigartiges Flair»

Die Militaria-Ausstellung in der ehemaligen Stahlgiesserei (hier wurden ja die Wannen und die Türme vieler der gezeigten Panzer gegossen) im Gegenüber dessen, was hier an Neuem entsteht, machte Architekt Nico Ledergeber deutlich. Mit Zahlen, Daten und Fakten baute er auf, was auf diesem Areal mit der Grösse von fünf Fussballfeldern entsteht: ein neue Stadtteil mit Wohnungen für 800 bis 1000 Menschen, Büros, Cafés, Restaurants, Läden, Ateliers und ein urbaner Park. Diese Zukunftsvision verleiht denn auch der Ausstellung ein «einzigartiges Flair» (so Ledergerber). Und für den Ausstellungsbesucher gewinnt das gewichtigste Museumsstück, der 18,2 Meter lange Brückenpanzer 68/88 aus den Siebzigerjahren, geradezu symbolische Bedeutung: Brückenschlag von der Vergangenheit in die Zukunft.