Die Senioren-Uni hat gestern ihr 20. akademisches Jahr mit einem Vortrag von Iwan Rickenbacher über das Abenteuer Wissen eröffnet.

von Martin Edlin

Die Existenzberechtigung der Schaffhauser Senioren-Universität stand bei der Eröffnung ihres 20. akademischen Jahres nicht zur Debatte. Allein schon der wie üblich prall besetzte Saal des Park-Casinos liess diesbezüglich keine Zweifel aufkommen. Aber ihr Auftrag sowie der Anspruch der Hörerinnen und Hörer (siehe auch Interview mit Programmleiterin Erna Weckerle in den SN vom vergangenen Samstag) bildete das Thema dieses ersten Anlasses im Jubiläums-Wintersemester 17/18. Stadtrat und Bildungsreferent Raphaël Rohner lobte denn auch gleich zu Beginn die Senioren-Uni als eine Institution («nicht einfach ein zusätzliches Freizeitangebot»), die «sich hervorragend in unserer gut aufgestellten Bildungslandschaft situiert hat und nicht mehr wegzudenken ist».


Das Leben ist ein Abenteuer

Was das bedeutet, kleidete Iwan Rickenbacher in ein Referat – halb Vorlesung, halb Causerie, pointiert und mit viel Unterhaltungswert – unter dem Titel «Wissen als immerwährendes Abenteuer». Der promovierte Erziehungswissenschaftler, einst Generalsekretär der CVP, heute bekannter Kommunikationsberater, Verwaltungsrat des Zürcher Verlagshauses Tamedia und dazu Honorarprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Bern, stellte beides, Wissen und Abenteuer, auf den Prüfstand. Mögen die Schweizer mit ihrem oft gehörten gegenseitigen Wunsch «Bleib, wie du bist» nicht gerade als Inkarnation des Abenteuerlustigen erscheinen: Das Leben mit seinen Unwägbarkeiten und schwer vorauszusehenden privaten und beruflichen Wendungen sei dennoch stets ein Abenteuer, selbst wenn wir dieses nicht suchten. Und Wissen? Rickenbacher: «Wir brauchen es, um uns Gewissheit und Sicherheit zu verschaffen.» Doch wie geht dies nun zusammen: Sicherheit und Abenteuer?


Wissen hat sich gewandelt

Iwan Rickenbacher relativierte das Wissen als Garant für Gewissheit und auch Macht, nicht bloss im Sinne Goethes («Mit zunehmendem Wissen wachsen die Zweifel») oder durch die Gefahr, das Wissen zum Hemmnis werden kann, wenn «Einsichten zu Vorurteilen verhärten».

Vielmehr sei angesichts der rasanten technischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, der über uns hereingebrochenen Informationsflut und der weltweiten Vernetzung festzustellen: «Das Wissen von heute ist, trotz seiner enormen Zunahme, von begrenzter Reichweite; die anteilige Fläche des Nichtwissens wird immer grösser.»


Einordnen und verstehen

Trotzdem, und das war nicht nur Schmus für die Hörerinnen und Hörer der Senioren-Uni: Das vielfältige Wissen und die Denkanstösse, die hier vermittelt werden, helfen, Fakten, Ereignisse und Entwicklungen einzuordnen und zu verstehen. Rickenbachers glaubhafte Versicherung: «Auch wenn Sie mit mehr Fragen als Antworten nach Hause gehen: Sie sind besser gewappnet für das Abenteuer Leben.»