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Mayowa Alaye (GLP), Tim Bucher (GLP) und Maurus Pfalzgraf (Junge Grüne) sind noch jung und erst seit 2021 im Schaffhauser Kantonsrat. Doch schon jetzt sitzen sie in wichtigen Kommissionen und feiern Erfolge mit überwiesenen Vorstössen.

von Dario Muffler

Was tun Kantonsparlamentarier, wenn sie im Ratssaal gerade nicht an einer Debatte teilnehmen? «Eine ETH-Prüfung schreiben» würde wohl kaum jemand antworten. Doch so geschehen am Montag, als Maurus Pfalzgraf, Kantonsrat der Junge Grüne und einstiges Gesicht der Schaffhauser Klima­jugend, eine Prüfung am Laptop schreiben musste. Inmitten des laufenden Betriebs. Die seit Corona mögliche Prüfungsmethode via Zoom machte es möglich.

Mit dieser Aktion machte sich der 22-Jährige nicht nur Freunde. SVP-Kantonsrat ­Walter Hotz schüttelte heftig den Kopf und ­stichelte anschliessend auf Twitter, in dem er schrieb «Unser Junge Grüne SH Kantonsrat ein aufmerksamer Parlamentarier!» und dazu einen Screenshot von Gianluca Loosers Instagram-Story hochlud, das Pfalzgraf beim Absolvieren der Prüfung in der Sitzung zeigte. Doch eigentlich will Pfalzgraf nicht mit so Aktionen Aufmerksamkeit erregen. «Ich bin grundsätzlich völlig einverstanden mit Walter Hotz», sagt er. «Wir müssen den Rednern zuhören.» Doch die Diskussion rund um die Verteilung der Kommissionssitze habe er als wenig zielführend eingestuft und wollte sich nicht äussern. Also hörte er nur mit einem Ohr zu.

Der Ausgang der erwähnten Diskussion hatte für Pfalzgraf aber Konsequenzen. Er sitzt künftig in der wichtigen Geschäfts­prüfungskommission. «Ich freue mich auf diese Aufgabe», sagt er. Insbesondere die politische Zusammenarbeit über die Partei­grenzen weg kommt in Kommissionen in der Regel stärker zum Zug als im Plenum. Genau diese Arbeitsweise gefällt Pfalzgraf.

Der ETH-Student sucht sich in seinen Themen Partnerinnen und Partner in parteipolitisch anderen Ecken. «Wenn man jemanden sucht, der dasselbe will, findet man ihn auch», sagt Pfalzgraf. Er zählt SVP-Partei­präsidentin Andrea Müller oder SVP-Kantonsrat Markus Müller auf. Dieser sagt: «Es geht mir darum, dass jungen Kantons­räten wie Maurus Wertschätzung entgegengebracht wird.» Das Parlament habe eine Verjüngung und damit andere Heran­gehensweisen an Themen nötig.

Sie macht alles mit Freude

Jüngere Bürgerinnen und Bürger im Rat haben andere Schwerpunkte und so ent­stehen andere Vorstösse. Manchmal auch solche, die in der Vergangenheit bereits ­gescheitert sind. Die junge GLP-Kantons­rätin Mayowa Alaye fasst es so zusammen: «Wir gehen oft mit einer anderen Offenheit an etwas heran, weil wir aufgrund der gerin­geren Politerfahrung vielleicht etwas weniger desillusioniert sind.»

Die Motion zur Schaffung eines kantonalen Energiegesetzes von ihr und Pfalzgraf ist ein Beispiel für so ein wiederkehrendes Thema. Mehrere Anläufe hatte es dazu im Parlament bereits gegeben, im vergangenen August kamen die beiden Jungkantonsräte nochmals mit einem breit abgestützten Vorstoss – und waren erfolgreich. Und jetzt haben Pfalzgraf und Alaye eine weitere Motion eingereicht, die sich ebenfalls um die Nutzung von erneuerbaren Energien dreht (siehe Box).

Wenn Mayowa Alaye von ihrem politischen Engagement erzählt, dann verwendet sie Formulierungen wie «unglaublich gern», von «viel bewegen» und «keine Motivationsprobleme». Die Zeit sei wenn schon das Problem. «Aber man lernt sich selber kennen und organisieren.» Die 22-Jährige ist am Montag in die Justizkommission gewählt worden.

Trotz aller Motivation sagt sie auch, dass man sich nicht völlig in der Politik verlieren dürfe: «Man soll sich freuen, wenn etwas klappt, aber auch nicht zu stark daran nagen, wenn es nicht funktioniert.»

Pfalzgraf beschreibt die Arbeit über die Parteigrenzen hinaus als anstrengend. «Aber es ist jener Teil der politischen Arbeit, die einen weiterbringt.» Alaye sieht es ähnlich: «Grundsätzlich wollen alle im Parlament etwas Gutes, auch wenn wir zu unterschiedlichen Schlüssen kommen.»

Er hat den Mut, Themen zu setzen

Damit ein politisches Anliegen erfolgreich ist, müssen möglichst viele Rätinnen und Räte dasselbe Fazit ziehen. Dieses Prinzip hat GLP-Kantonsrat Tim Bucher rasch verinnerlicht. Am Montag wurde eine Motion von ihm und FDP-Kantonsrat Raphaël Rohner überwiesen. Sie fordert die Anpassung des Stipendienvergabemodells im Kanton Schaffhausen. Bucher sei schon in einer frühen Phase mit einer klar formulierten Absicht an ihn gelangt und hat um seine Meinung gefragt, sagt Rohner. «Er war offen für meine Anregungen und hat schliesslich basierend auf sorgfältigen Recherchen einen Entwurf zur Motion formuliert, den wir gemeinsam bereinigt haben.»

Überzeugt habe Rohner die faktenbasierte Arbeit und das Bestreben, einen mehrheitsfähigen Konsens zu erreichen. Fast identisch formuliert es Tim Bucher, wenn man ihn nach seiner Motivation fragt. «Weil ich noch nicht so lange im Rat bin wie andere, gehe ich Themen von Grund auf an», sagt Bucher. Dadurch trifft er bei seiner Recherche manchmal auf brach liegendes Potenzial und versucht dieses dann in einen Vorstoss zu packen.

Erfolgreich war der 25-Jährige auf diese Weise auch mit seinem Postulat, in dem er zuverlässige Zugverbindungen zwischen Singen und Schaffhausen gefordert hat. Eine grosse Mehrheit des Kantonsrats stimmte dem Anliegen zu.

Die Polarisierung spüren auch sie

Bei allem Erfolg gibt es Momente, in denen die jungen Parlamentsmitglieder vielleicht nicht ganz so ernst genommen werden, wie sie das gerne hätten. Grundsätzlich aber sprechen alle drei von einem anständigen Umgang auf Augenhöhe. Dafür sei auch die erwähnte Vorarbeit von Bedeutung: «Je fundierter unsere Ideen sind, desto ernster werden wir genommen», sagt Alaye. Aber auch dann werde ein Vorstoss aus dem anderen politischen Lager nicht unbedingt öffentlich mitgetragen. «Das verstehe ich dann nicht», sagt Pfalzgraf. Rohner bestätigt, dass das Lösungensuchen über die Parteigrenzen hinweg in den letzten Jahren weniger, die Polarisierung des Parlaments dafür stärker geworden sei.

All die Recherchearbeit für Vorstösse, die Sitzungen, ihre Vorbereitungen und die Gespräche fürs Finden von Mehrheiten brauchen vor allem eines: Zeit. «Diese muss man sich nehmen», sagt Pfalzgraf. Doch irgendwann müssten auch bei der Zeit fürs Politisieren Abstriche gemacht werden. Alle drei studieren, haben Hobbys und arbeiten Teilzeit. «Ich bin ein grosser Befürworter des Milizsystems, aber es stösst an seine Grenzen», sagt Bucher. Es müsse in Zukunft wohl attraktiver gestaltet werden. Damit mehr engagierte Berufsleute im Kantonsrat sitzen – und mehr jüngere Politikerinnen und Politiker.