Schaffhauser Nachrichten: Reservetöpfe geraten unter Beschuss

22. Juni 2022

Die Politik schaffte in den letzten Jahren Geldtöpfe für ganz verschiedene zukünftige Vorhaben und Situationen. Nun...

Der Schulleiterverband sowie der Stadtschulrat möchte wegen dem Infektionsgeschehen die Schulen schon an diesem Freitag für die Weihnachtsferien schliessen. Die Gemeinde Neuhausen sieht das anders. Und der Lehrerverband macht nochmal einen anderen Vorschlag.

von Mark Liebenberg

Angesteckte Schulkinder müssen gleich reihenweise in Quarantäne, Lehrpersonen sind einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt – das Coronavirus hat seit wenigen Wochen auch die Schaffhauser Klassenzimmer im Griff (die SN berichteten). Vor dem letzten Wochenende hat der Vorstand des Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Schaffhausen aus diesem Grund in einem Brief an das kantonale Erziehungsdepartement appelliert, die Schüler schon am kommenden Freitag in die Weihnachtsferien zu schicken, statt erst am Donnerstag nächster Woche (SN vom 11. Dezember).

Am Sonntag hat nun der Schaffhauser Stadtschulrat ins gleiche Horn gestossen. In einem Schreiben, das den SN vorliegt, fordert Stadtschulratspräsident Christian Ulmer vom Erziehungsdepartement die vorgezogene Schulschliessung, wie sie etwa in den Kantonen Bern und Aargau beschlossen worden ist. Ulmer schreibt: «Die vielen Ansteckungen unter Schülerinnen und Schülern, aber auch unter dem Lehrpersonal sind besorgniserregend. Eine frühere Schulschliessung würde die Chance bieten, die Lage zu beruhigen.» Es sei nämlich zu befürchten, dass aufgrund von Kapazitätsengpässen in den Labors in der Woche vor Weihnachten gepoolte Tests nicht mehr rechtzeitig ausgewertet werden könnten. «Es wäre fatal, wenn wir mit unaufgelösten Pools in die Weihnachtsferien starten müssten. Dies würde die Unsicherheit in den Familien noch zusätzlich erhöhen», schreibt Ulmer.

Es drohen Betreuungsengpässe

Ganz anderer Meinung ist die Gemeinde Neuhausen am Rheinfall, wie sie in einem gestern ebenfalls an die Medien versandten Schreiben kundtut. Zwar sei man auch besorgt über die momentane Entwicklung und unternehme alles, um die Ansteckungsketten zu unterbrechen und so die Schüler und ihre Angehörigen zu schützen. Die Gemeinde spreche sich aber explizit gegen einen vorzeitigen Schulschluss vor Weihnachten aus, namentlich weil gerade «durch das schulinterne Testen schnell Ansteckungsketten durchbrochen werden können. Dies wäre bei einer Schliessung der Schulen nicht mehr der Fall».

Viele Eltern arbeiteten nächste Woche noch und würden kurzfristig vor Probleme gestellt, wenn ihre Kinder nicht mehr in der Schule wären und zuhause betreut werden müssten. Zweitens, so die Gemeinde Neuhausen, hätten die Kinder «ein Recht auf Bildung» und grundsätzlich solle der Präsenzunterricht «wo immer möglich aufrechterhalten werden». Allenfalls müsste sowieso «zuerst das vorhandene Instrument des Fernunterrichtes eingesetzt werden». Auf lokal schwierige Situationen müsse man mit lokal angepassten Massnahmen reagieren, und nicht «durch flächendeckende, für alle Schulen geltende Massnahmen».

Ähnlich sieht es der Exekutivvertreter im Stadtschulrat, Bildungsreferent Raphaël Rohner. Er habe dem Anliegen des Stadtschulrats im Grundsatz zugestimmt, «Eine Beruhigung der teilweise von Emotionen geprägten Situationen an den Schulen und bei Eltern könnte mit dem vorgezogenen Ferienbeginn bestimmt bewirkt werden», sagt Rohner auf Anfrage.

Indessen sei er wie auch der Stadtrat bis zu einem gewissen Grad kritisch. «Eigentlich gilt für mich der Grundsatz ‚Schule findet statt’», sagt Rohner. Ganz wichtig sei, dass «eine Antwort auf die Frage einer Betreuung der Kinder vorliegt und zwar für Erziehungsberechtigte, welche eine Betreuung zu Hause nicht kurzfristig organisieren können», so Rohner. «Immerhin geht es nicht nur um wenige Stunden, sondern um vier Tage.» Eine vorzeitige Schliessung müsste nach seiner Meinung vom Gesundheitsamt des Kantons aus epidemiologischen Gründen angeordnet werden oder es müssen gewichtige schulorganisatorische oder pädagogische Gründe sowie das ausdrückliche Einverständnis seitens des Erziehungsdepartementes, beziehungsweise des Regierungsrates vorliegen.

Regierung entscheidet heute

Dort will man heute Dienstag über die einander widersprechenden Anträge beraten. Erziehungsdirektor Patrick Strasser sagt auf Anfrage: «Der Regierungsrat wird an der morgigen Sitzung das Thema diskutieren und einen Entscheid treffen. Bis dahin gebe ich keine Stellungnahme ab.»

Und was sagen jene, die neben den Schulkindern und ihren Eltern am meisten von den aktuellen Wirren betroffen sind» Für den Verein Lehrerinnen und Lehrer Schaffhausen (LSH) nimmt Mediensprecher Roman Staude Sellung. «Wir haben es diskutiert und unser Vorstand ist der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, den Unterricht vier Tage früher abzubrechen.»

Lehrer: Puffer nach den Ferien

Dank der engmaschigen Pooltests bewegten sich Lehrpersonen wie Schulkinder zurzeit in einem Umfeld, welches das Unterrichten mit einem vertretbaren Risiko zulasse. «Ausserdem müssen wir auch an die gar nicht mal so wenigen symptomfrei angesteckten, mittlerweile genesenen Kinder denken, sie haben ein Recht auf Schulunterricht.» Viele hätten wegen Isolation einiges an Unterricht verpasst, und mit ihnen teilweise ihre Geschwister, die ebenfalls in Quarantäne müssten. Und schliesslich sei nach Ansicht des LSH-Vorstands die Betreuungsfrage in vielen Familien ungelöst, würde man den Unterricht schon ab kommenden Montag aussetzen.

Der Verband macht indessen einen anderen Vorschlag: «Wir sollten uns besser auf die Woche nach den Weihnachtsferien konzentrieren.» Sinnvoll wäre es, so Staude, die ersten drei Tage nach den Ferien die Schulkinder und die Lehrkräfte systematisch zum Test aufzubieten und Fernunterricht zu machen. «Den Präsenzunterricht könnte man dann um einiges risikoärmer wieder aufnehmen sobald die Testresultate vorliegen.»

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