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In einer Aussprache mit museumsnahen Kreisen versuchten die Stadt und die Sturzeneggerstiftung vor allem der Kritik an einer Machbarkeitsstudie zu begegnen. Resultat: Die Vernehmlassung dazu wird verlängert.

von Mark Liebenberg 

Es war eine geschlossene Gesellschaft am letzten Donnerstagabend in der Rathauslaube. Eingeladen zum «Austauschtreffen zur Machbarkeitsstudie Museum 25+» waren Vertreter der museumsnahen Vereine, einige Museumsmitarbeitende, Vertreter der politischen Parteien und die Medien. Prominenter Abwesender: Hans Konrad Peyer, ehemaliger Präsident der Sturzeneggerstiftung, der das Projekt mit anderen zuletzt öffentlich harsch kritisiert hatte. Auf Anfrage der SN bestätigt Peyer, zu dem Anlass nicht eingeladen worden zu sein.

Dafür sassen den etwa fünfzig Interessierten Stadtrat Raphaël Rohner und Stadträtin Katrin Bernath, Stephan Kuhn und Hortensia von Roda von der Sturzeneggerstiftung, Museumsdirektorin Katharina Epprecht und die Autorin der Machbarkeitsstudie, Barbara Holzer, gegenüber.

Bis dato mehrheitlich kritische Voten

Projektleiter Peter Kohler – früherer Direktor des Freilichtmuseums Ballenberg – erhoffte sich «einen kritischen aber hoffentlich auch konstruktiven Dialog» rund um die Ideen. Der städtische Kulturreferent, Stadtrat Raphaël Rohner ging auf die mediale Aufmerksamkeit ein, welche das Vorhaben ausgelöst hat, in Leserbriefspalten und Interviews. «Nicht alle Einwände, die öffentlich geäussert worden sind, treffen zu», sagte er. Hortensia von Roda, Präsidentin der Sturzeneggerstiftung zog allerdings eine ernüchternde erste Bilanz: «In der Tat sind bis dato mehrheitlich kritische Rückmeldungen eingegangen.»

Bevor Barbara Holzer noch einmal die Details der vorliegenden Machbarkeitsstudie zur baulichen, inhaltlichen und betrieblichen Entwicklung des Museums vorstellte, bezog die Museumsdirektorin eindeutig Stellung: «Aus meiner Sicht bietet sich mit den Ideen eine einmalige Gelegenheit, das ganze Museum neu zu denken.» Erstmals legte die Projektleitung auch detailliert dar, dass 10 von 18 Workshops und Projektsitzungen zur Studie in den letzten 14 Monaten unter Einbezug der Museumsleitung sowie der Kuratorinnen und Kuratoren durchgeführt wurden – dies, um den Vorwurf zu entkräften, die Museumsmitarbeiter hätten sich im Prozess nicht oder zu wenig einbringen können. Das Papier hält dazu allerdings fest. «Bei der Anzahl von über dreissig involvierten Personen ist es naturgemäss der Fall, dass nicht alle einhellig hinter dem erarbeiteten Ergebnis stehen können.»

In der anschliessenden Fragerunde und Diskussion wurde indes auch klar, dass sich dieses Ergebnis erstmals einem Stimmungstest ausserhalb des eng involvierten Personenkreises aussetzen musste. Anders gesagt: Die sogenannt museumsnahen Vereine, die jetzt dazu Stellung beziehen sollen, haben erst aus den Medienberichten erfahren, wie umstritten Teile des Vorhabens sind.


«Das hat Chancen und macht Freude»

Und dieser Stimmungstest offenbarte, dass bei den treuesten Museumskennern vieles unklar ist, dass teils leise Kritik geübt wird – aber auch einiger Goodwill vorhanden ist. Es waren Oliver Thiel vom Historischen Verein und Iwan Stössel von der Naturforschenden Gesellschaft, die baten, die sehr kurz angesetzte Konsultationsfrist zu verlängern: Von Mitte September bis Ende Oktober. «Es fehlt uns sonst schlicht die Zeit, unsere Mitglieder nach ihrer qualifizierten Meinung zu den Plänen zu fragen», sagte Thiel.

 

Die Projektkommunikation kritisierte auch Christian Wäckerlin vom Architekturforum. «Man war Anfang der Sommerferien gezwungen, sich anhand von in den Medien veröffentlichten Visualisierungen ein Bild zu machen, ohne dass die Machbarkeitsstudie selber erhältlich war.» Denn für eine Studie, welche das Machbare aufzeigt, weise das rund achtzigseitige Dokument doch einen bemerkenswerten baulichen Detaillierungsgrad auf.

Ähnlich Andreas Peyer von der Peyerschen Tobias-Stimmer-Stiftung. Er meinte: «Das Projekt hat Chancen und bereitet Freude. Aber für Aussenstehende ist schwer verständlich um was es sich genau handelt: Ein Konzept? Eine Skizze? Eine Idee? Eine Studie?». Die begriffliche «Konfusion», so Peyer, erschwere auch das Verständnis dafür, welches nun inhaltliche und welches bauliche Änderungen seien, und auf welche Bereiche sich die auf plus/minus 15 Millionen Franken geschätzten Kosten beziehen.

Baureferentin Katrin Bernath präzisierte, sekundiert von der Studienautorin Barbara Holzer, dass es sich «um ein komplexes Konstrukt» handle. «Die inhaltlichen und betrieblichen Änderungen sind konzeptueller Natur. Bei den baulichen Ideen will die Öffentlichkeit aber meist etwas über die Kosten hören. Aus der Baufachsprache stammt auch der Begriff Machbarkeitsstudie.»

SVP-Grossstadtrat Herrmann Schlatter bemängelte, dass grundsätzliche Fragen unbeantwortet blieben: Namentlich, wohin genau das Museum steuert, wieso es keine Museumsstrategie gibt – und: «Wer hat in dem Projekt eigentlich den Lead?». Ausserdem sei schleierhaft, was die betrieblichen Änderungen für Mehrkosten auslösen werden: «Das Museum kostet heute schon 4,6 Millionen Franken jährlich und die grossen Besucherströme bleiben trotzdem aus.» Rohner entgegnete: «Tatsächlich stagnieren die Besucherzahlen, deshalb müssen wir etwas tun!». Epprecht fügte hinzu, dass man aber nicht zu den Blockbuster-Ausstellungen der Jezler-Jahre zurückkehren werde. Das Museum zu Allerheiligen habe eine der grössten Objektsammlungen der Schweiz. «Die Sammlungsbewirtschaftung steht gleichberechtigt neben der Ausstellungstätigkeit.»


Fragen zur strategischen Ausrichtung

Den Anwesenden wurde denn auch ein dreiseitiges Exzerpt aus einer 80-seitigen Museumsstrategie vorgelegt, die 2019 dem Grossen Stadtrat hätte vorgelegt werden sollen, was dann allerdings nie geschah.

Der Lead wiederum liege derzeit bei der Lenkungsgruppe. Die Umsetzung im Vorprojekt selber sei dann ganz bei der Stadt. Hortensia von Roda betonte, dass die Stiftung dann lediglich als Geldgeberin fungiere, wie schon in der Vergangenheit. «Das widerspricht auch nicht dem Stiftungszweck. Die Sturzeneggerstiftung hat seit den Achtzigerjahren allein für Bauliches 9,4 Millionen Franken für das Museum gesprochen.»

Einige Detailfragen kamen von den Vertretern des Kunst- und des Museumsvereins. Katharina Müller vom Heimatschutz beklagte den fehlenden konzeptuellen Einbezug von Klosterkeller und den historischen Bauten vis-à-vis der Klosterstrasse; ähnlich Beatrice Ruckstuhl vom Verein Pro Juliomago. Generell fehle im neu gedachten Museum der einzigartige Bezug zu seinem Ursprung als Klosteranlage. Zur Archäologieabteilung, die einem neuen Hospitality-Bereich im Erdgeschoss weichen müsste meinte sie: «Archäologie gehört für mich auf den Boden, nicht in den Estrich.»

Die Vereine und Parteien haben nun bis Oktober zeit, Stellung zu nehmen.

sn 20210901

Stellten sich den Fragen und der Kritik des geladenen Publikums: Stephan Kuhn, Hortensia von Roda, Katharina Epprecht, Peter Kohler, Raphaël Rohner, Katrin Bernath sowie Barbara Holzer (v.l.n.r.). Bild: Michael Kessler