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Am Dienstag hat der Schaffhauser Regierungsrat entschieden, dass nächste Woche kein Schulunterricht stattfindet. Ob das neue Jahr mit Präsenz- oder Fernunterricht startet, ist noch offen. Stadtrat Raphaël Rohner kritisiert die Kurzfristigkeit der Entscheide.

Wurden auch Sie am Dienstagnachmittag vom Regierungsrat mit dem Entscheid überrascht, dass nächste Woche kein Unterricht stattfindet und das neue Jahr womöglich mit Fernunterricht startet?

Raphaël Rohner: Ausserordentlich. Denn der Entscheid steht in klarem Widerspruch zu den Aussagen des kantonalen Erziehungsdepartements, die noch am Montag gemacht wurden. Zuvor hiess es, dass die Schule in jedem Fall stattfinde. Deshalb waren wir sehr erstaunt über den plötzlichen Sinneswandel. Selbstverständlich setzen wir als Gemeinde den Entscheid aber um.

Wie schätzen Sie den Nutzen von Schulschliessungen zur Eindämmung des Coronavirus ein?

Es ist nicht Sache der Gemeindebehörden, den Inhalt einer solchen Massnahme zu hinterfragen. Das müssen die medizinischen Fachleute entscheiden. Aus Sicht der Stadt kam der Entscheid aber sehr überraschend. Die Umsetzung stellt uns vor grosse Herausforderungen.

Wo liegen die Schwierigkeiten?

Wir sind vor allem erstaunt, dass die Regierung noch keine klare Anordnung getroffen hat über den Schulbeginn nach den Festtagen. Sie hat lediglich mitgeteilt, dass sie noch vor Weihnachten entscheiden werde. Als Stadt mit über 450 Lehrpersonen und rund 3800 Kindergärtlern und Schülern bis zur Sekundarstufe 1 müssen wir einen möglichen Wechsel in den Fernunterricht sach- und fachgerecht vorbereiten. Das ist wichtig für die Kinder und Jugendlichen, für die Lehrpersonen und für uns als Behörde.

Wie gut hat die Koordination zwischen dem Kanton und den Gemeinden in der Coronakrise bisher funktioniert?

In der ersten Lockdown-Phase im Frühling hat die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert. Es gab eine kantonale Corona-Taskforce, an der auch die Stadt beteiligt war. Gemäss meiner Einschätzung haben wir uns hier auch sehr konstruktiv eingebracht – gerade auch bei Fragen der Umsetzbarkeit von Massnahmen.

Besteht diese kantonale Taskforce jetzt nicht mehr?

Sie ist derzeit nicht aktiv. Wir als Stadt haben mehrmals darauf hingewiesen, dass es sinnvoll wäre, sich in diesem Rahmen wieder zu treffen. Das ist bisher aber nicht passiert. In letzter Zeit haben wir jeweils erst kurz, bevor eine Medienmitteilung verschickt wurde, die entsprechenden Informationen erhalten. Am 11. Dezember erhielten wir nur wenige Minuten vor Bekanntgabe des Entscheides eine informelle Vorwarnung, dass der Freizeitpark KSS oder das Museum zu Allerheiligen geschlossen werden. Hier hätte man uns ­sicher einen halben oder ganzen Tag früher informieren können. Das hätte es den operativ Verantwortlichen deutlich erleichtert, personelle und organisatorische Fragen zu klären – es reicht ja nicht, einfach eine Türe abzuschliessen. Das ist meine Kritik: Die gute Kommunikation, wie es sie noch im Frühling gab, hat zuletzt nicht mehr stattgefunden. Der Regierungsrat informiert uns sehr kurzfristig.

Wieso hat sich die Kommunikation verschlechtert?

Das ist mir nicht klar. Ich habe den Eindruck, dass der Regierungsrat teilweise nicht auf ein klares Ziel fokussiert ist. Das ist schwierig in einer Krise, aber gerade in einer Krise ist Führung gefragt. Führung heisst, dass man eine grosse Verantwortung trägt sowie klare und verständliche Anordnungen macht – gegenüber den Gemeinden und der Bevölkerung. Das ist wichtig, weil viele Leute Angst haben. In den Schulen sind die Lehrpersonen verunsichert. Die Regierung muss keine falsche Sicherheit vermitteln, aber Vertrauen schaffen für das Handeln der Behörden. Das ist weitgehend eine Frage der Kommunikation und der Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Das Handeln der Regierung wirkt bisweilen abgehoben, das finde ich nicht gut. Kritik der mündigen Bürger muss möglich bleiben.

Noch ist nicht klar, ob die Schule im neuen Jahr mit Präsenz- oder Fernunterricht startet. Was bedeutet dies?

Wir haben eine absolute Ungewissheit, wie es ab dem 4. Januar weitergeht. Die Behörden, die Lehrpersonen und die Eltern sind aber darauf angewiesen, dass man möglichst bald weiss, was gilt. Wenn es Fernunterricht gibt, dann müssen die Lehrpersonen diesen jetzt vorbereiten. Bereits haben Schulpräsident Christian Ulmer, Bereichsleiterin Bildung Kathrin Menk und ich angeordnet, dass die Schüler die nötigen Bücher und Werkzeuge heute mit nach Hause nehmen, damit sie für Fernunterricht ausgerüstet wären. Wir erwarten aber, dass die Regierung noch heute Klartext redet und festlegt, was im Januar gilt.

Welche Folgen hat es, wenn sich der Regierungsrat für Fernunterricht entscheidet?

Unsere Lehrpersonen haben bewiesen, dass sie guten Fernunterricht leisten können. Sie haben im ersten Lockdown Erfahrungen gesammelt. Es ist aber sehr anspruchsvoll und eine zusätzliche Belastung.

Für welche Schülerinnen und Schüler ist Fernunterricht besonders schwierig?

Es gibt zwei Gruppen. Eine Herausforderung ist der Fernunterricht einerseits für Primarschüler aus bildungsfernen ­Familien. Hier muss man Wege finden, um die Nachteile auszugleichen. Man muss sicherstellen, dass diese Schüler im Fernunterricht nicht abgehängt werden. Dafür braucht es geeignete Gefässe. Andererseits ist der Fernunterricht auf der Sekundarstufe 1 dort schwierig, wo es um die Vor­bereitung auf höhere Schulen und um die Berufswahl geht. Hier gibt es Bedenken von erfahrenen Lehrkräften. Auch dafür braucht es geeignete Settings. Darüber hinaus muss auch die mentale Gesundheit der Schülerinnen und Schüler generell beachtet werden – sie können im Fernunterricht unter Einsamkeit leiden. Der Mensch ist ein soziales Wesen.

Wie lange könnte die Phase des Fernunterrichts dauern?

Aktuell rechnen wir mit zwei ­Wochen, eventuell mit vier Wochen.

Heute ist der letzte Schultag in diesem Jahr. Was heisst das für Kinder, die nächste Woche nicht zu Hause betreut werden können?

 

Alle Schulen sind offen. Sie können diejenigen Kinder aufnehmen, die kurzfristig keine Betreuungsmöglichkeit haben. Die Schüler werden in der Schule sinnvoll beschäftigt – wohl in einem spielerischen Rahmen, unter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln.

Was sind nun die nächsten Schritte?

Der Schulpräsident und das Bildungsreferat planen in Varianten. Am Montag wird die Planung von einer kleinen städtischen Bildungs-Taskforce formuliert. Am Dienstagnachmittag werden die Vorstehenden an Sitzungen im kleinen Rahmen orientiert, und wir können uns austauschen. Ich glaube, wir sind gut aufgestellt. Es ist aber wichtig, dass wir heute einen klaren Entscheid erhalten.

Wie ist die Stimmung unter den Lehrpersonen?

Sie sind bereit und in der Lage, auf Fernunterricht umzustellen, obwohl die Meinungen dazu natürlich auseinandergehen. Die Zusammenarbeit unter den Lehrpersonen funktioniert sehr gut. Sie sind aber sehr stark belastet – auch der Lehrbereich läuft teilweise am Limit.

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