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Der diesjährige «Ernte»-Kunstpreis der Mobiliar-Versicherung geht an die Künstlerin und Thangka-Malerin Katharina Rähmi und ihr Werk mit dem Titel «Rice_Circle_Moon». Die Ausstellung im Museum zu Allerheiligen kann allerdings erst am 26. Dezember besichtigt werden.

von Jurga Wüger

Die traditionsträchtige «Ernte»-Ausstellung im Museum zu Allerheiligen geht auf das Format der Jahresausstellung zurück, welche vor rund 80 Jahren zum ersten Mal durchgeführt wurde. Diese Ausstellung zeigt punktuell das aktuelle Kunstgeschehen der Region Schaffhausen und ist ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Kunstverein Schaffhausen.

Für die diesjährige Ernte wurden 63 Portfolios eingereicht. Die fünfköpfige Jury, unter der Leitung von Isabelle Köpfli, Kuratorin der Ausstellung, mit Julian Denzler (Kurator Gegenwartskunst, Museum zu Allerheiligen), Eric Bührer (Fotograf/Galerist, Schaffhausen), Adrian Notz (Kurator, Zürich), Bea Schäfli (Stellvertretende Präsidentin Kunstverein Schaffhausen) und ­Karin Rabara (Galeristin/Mitglied Kulturkommission Stadt Schaffhausen) hat 14 Positionen ausgewählt. Aus den Werken, welche im Wechselsaal des Museums ­gezeigt werden, wählten Katharina ­Epprecht (Direktorin Museum zu Allerheiligen), Alexandra Meyer (Künstlerin, Basel) und Helga Sandl (Kulturleiterin Jakob-und-Emma-Windler-Stiftung, Stein am Rhein) die Arbeit mit dem Titel «Rice_Circle_Moon» der Künstlerin sowie Thangka-Malerin Katharina Rähmi aus. Coronabedingt wurde die Preisverleihung nur im kleinen Rahmen, dafür mit einer Liveübertragung durchgeführt.

Die «Ernte» ist im Trockenen

Katharina Epprecht sagte einleitend: «Ich freue mich, dass wir die ‹Ernte› ins Trockene bringen und es heute noch zusammen geniessen können. Die Kunst wird, bis der Sturm sich gelegt hat, geduldig warten.» Die Kuratorin der Ausstellung, Isabelle Köpfli, sagte, dass dieser Querschnitt der Werke ein «Spiegel einer denkwürdigen Zeit» sei, welcher einen «neuen Blick auf das Naheliegende erlaubt». Der Preis ist mit 10'000 Franken dotiert, wird alle zwei Jahre verliehen und wurde von Philipp Früh mit den Worten: «Es ist das künstlerische Kapital unserer Region. Beachtlich was da geschaffen wurde», überreicht. Die Mobiliar-Versicherung wird zudem drei weitere Ausgaben der «Ernte» finanzieren.

«Leben, Werden und Vergehen passt genau in die heutige Zeit.»

Raphaël Rohner, Kulturreferent der Stadt Schaffhausen

Die Künstlerin Katharina Rähmi nahm den Preis gefasst entgegen. Sie beschäftige sich seit sieben Jahren mit dem Thema Reis. Der Kreis ist für sie eine Urform, symbolisiert Vollkommenheit und verweist auf die Geheimnisse von Leben und Sterben. «Reis wird seit 9000 Jahren kultiviert und dient weltweit als Grundnahrungsmittel.» Ihr Werk aus dem Schweizer Rundkornreis trägt den Titel «Rice_Circle_Moon» und hat einen Durchmesser von vier Metern. Der Prozess, den Kreis Korn für Korn auszulegen, war für die Künstlerin Katharina Rähmi «Erlebnis und Erfahrung».

Achtsam sich dem Kreis nähern

«Kunst spricht ihre eigene Sprache, und sie hat etwas zu sagen», sagte Isabelle Köpfli. Die dreiköpfige Jury begründet den Entscheid mit folgenden Worten: «Das Werk gibt zu sehen, zu denken, aber vor ­allem zu erleben. Es spricht alle Sinne an. Wer sich der Bodenarbeit nähert, sie ­umrundet, tut dies achtsam und körperbewusst, denn die präzis angeordneten Reiskörner liegen ungeschützt und als Einheit da.» Die Jury streicht insbesondere die zahlreichen Anknüpfungspunkte hervor, die das Werk anregt. Dabei wird mitunter der Aspekt des Kulturtransfers gelobt. Reis gelte in vielen Ländern als Symbol für Fruchtbarkeit, Wachstum, Reinheit und Glück. Aber auch Kulturreferent Raphaël Rohner erfreute sich am Werk von Rähmi: «Leben, Werden und Vergehen passen ­genau in die heutige Zeit. Es hat für mich eine unglaubliche Symbolkraft. Ich gratuliere der Künstlerin, dass sie mit diesem Werk uns einen Lichtblick schenkt.»

«Ernte 20»

Die Künstlerinnen und Künstler der «Ernte 20» sind:

Im Wechselsaal des Museums zu Allerheiligen sind 14 unterschiedliche Statements zu sehen. Drei davon befassen sich mit dem Coronavirus, dem Lockdown und mit seinen Auswirkungen. Der Blick auf das Naheliegende beschäftigt auch die Zeichnerin Linda Graedel, die erstmals Blumenformen, welche sie in ihrem eigenen Garten entdeckt hat, zeichnet. Für Cynthia Waser erscheint das Licht, welches sie mit der ­Kamera im Treppenhaus einfängt, viel tiefgründiger als zuvor. Und Alexandra Häberli findet mehr Klarheit in ihren Arbeiten aus dem Kontrast zwischen der Enge des Ateliers und der Weite der Landschaft.

Die ungeplante Ungewissheit, ausgelöst durch die Pandemie, auszuhalten, scheint vielen Menschen schwerzufallen. Kunst ist aber ein gutes Werkzeug, um Menschen den Zugang zu sich selbst zu ebnen. Dank der angeordneten Distanzierung in einem subtilen Raum für Reflexion wurde beim Begehen der Ausstellung wohl vielen schlagartig bewusst: Der Akt des Innehaltens ist jetzt das Wichtigste. Denn man erntet das, was man sät.