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Die Kantonsräte Raphaël Rohner und Peter Scheck sind enttäuscht, dass der Reformprozess der Kantonsschule ­sistiert wurde. Laut Erziehungsdirektor Christian Amsler soll dieser nach dem Vorliegen des neuen nationalen Rahmenlehrplans weiterverfolgt werden.

von Daniel Thüler

Die Schulleitung der Kantonsschule Schaffhausen erhielt 2017 vom Erziehungsrat den Auftrag, die Strukturen des Obergymnasiums im Hinblick auf eine Weiterentwicklung zu analysieren. Hierfür wurde die Arbeitsgruppe Argan gebildet, die herausfinden sollte, wie die Kanti fit für die Zukunft gemacht werden kann. Ende August 2020 besprach dann der Erziehungsrat bei einer Klausur den Argan-Bericht. Wie das Gremium später mitteilte, sei es zum Schluss gekommen, dass die von der Arbeitsgruppe präsentierten Ergebnisse «den ursprünglichen Auftrag nur ansatzweise erfüllen».

Und weiter: «Der Erziehungsrat erachtete den Bericht nicht als hinreichende Grundlage zur Diskussion von möglichen alternativen Modellen für die Zukunft.» Der Erziehungsrat behalte sich vor, zu einem späteren Zeitpunkt einzelne vorgeschlagene Optimierungsmöglichkeiten nochmals zu prüfen und erneut über eine mögliche Evaluation zur strategischen Ausrichtung des Obergymnasiums zu befinden. Damit ist die Weiterentwicklung der Strukturen der Kantonsschule vorerst sistiert.

Kantonsräte sind irritiert

Der abrupte Abbruch des Argan-Prozesses sorgt für Irritation, auch bei den Kantonsräten Raphaël Rohner (FDP) und Peter Scheck (SVP). In einem gemeinsamen Postulat, das am 18. Februar 2019 vom Rat mit 37 zu 11 Stimmen für erheblich erklärt wurde, forderten sie den Regierungsrat auf, die Einführung eines Langzeitgymnasiums zu prüfen sowie Bericht und Antrag vorzulegen. «Ich finde den Abbruch ganz schlecht», sagt Scheck auf Anfrage. «Es ist eine falsche Unterstellung, dass die Vorschläge der Arbeitsgruppe ungenügend waren.» Diese habe sich viel Zeit genommen, um die Grundlagen zu erarbeiten. «Argan hatte den Auftrag erhalten, sich auf die Einführung eines Unter- respektive Langzeitgymnasiums zu fokussieren», erklärt er. «Das wird ihr nun vorgeworfen.» Natürlich müsse berücksichtigt werden, dass die Schweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) derzeit daran ist, neue Vorgaben für Schweizer Gymnasien zu erstellen, aber: «Der Kanton Zürich ist mit seinen Progymnasien immer gut gefahren und wird nicht grundlos von diesem Modell wegkommen. Was Zürich kann, das kann Schaffhausen auch.» Das sei jedoch eine Frage des Willens, der beim Erziehungsrat fehle. Dort herrsche die Auffassung, dass schwache Schülerinnen und Schüler gefördert werden müssen: «Aber an die guten denkt niemand.» Er und Rohner werden voraussichtlich 2021 mit einem neuen Vorstoss nachdoppeln.

«Ich bin sehr enttäuscht, vor allem dass sich niemand bemüssigt fühlte, dem Kantonsrat ­Bericht zu ­erstatten.»

Raphaël Rohner, FDP-Kantonsrat und Bildungsreferent der Stadt Schaffhausen

Auch Rohner sagt: «Ich bin sehr enttäuscht, vor allem dass sich niemand bemüssigt fühlte, dem Kantonsrat Bericht zu erstatten.» Das Thema sei wichtig, zumal es um die Stärkung des Bildungsstandorts auf gymnasialer Ebene gehe. Die Einführung eines Langzeitgymnasiums hätte seines Erachtens sehr gut in die Reform der Schweizer Kantonsschulen und Gymnasien gepasst und ein neues Angebot im Bereich Begabungs- und Begabtenförderung geschaffen. Zudem könnte auch nach der Einführung eines Untergymnasiums die Möglichkeit für den Übertritt von der Sekundarstufe ans Obergymnasium beibehalten werden. «Das eine schliesst das andere nicht aus», sagt Rohner. «Gleichzeitig hätte mit einem Langzeitgymnasium eine Vertiefung und Stärkung gewisser Fächer, die am Obergymnasium eher zu kurz kommen, erreicht werden können.»

Amsler: «Es braucht ein Gesamtpaket»

Christan Amsler, Erziehungsdirektor und Präsident des Erziehungsrats, hält weiterhin daran fest, dass der Reformprozess aufgrund der inhaltlichen Mängel im Argan-Bericht auf Eis gelegt wurde. «Der Bereich Untergymnasium war ein Teilprojekt, das keinen Einfluss auf die Sistierung der weiteren Prüfung einer Neuausrichtung des Obergymnasiums hatte», sagt er. «Vielmehr wird nun das Thema Begabungsförderung respektive Un-tergymnasium auf Wunsch des Erziehungsrats gesamtheitlich angegangen – sowohl unter Einbezug der Sekundarstufe I wie auch unter Berücksichtigung wichtiger Anliegen im Bereich der Begabungsförderung.» Aus Sicht des Erziehungsrats könne dies keinesfalls isoliert forciert werden: «Es braucht ein Gesamtpaket.»

Auch soll die Weiterentwicklung der Strukturen des Obergymnasiums respektive der Kantonsschule in ein paar Jahren wieder aufgenommen werden. «Im Zusammenhang mit dem neuen Rahmenlehrplan, der per 2022 zu erwarten ist, wird der Erziehungsrat die Sistierung aufheben und eine entsprechende Neuausrichtung angehen», sagt Amsler. «Der neue Erziehungsdirektor per 2021, Patrick Strasser, wird aufgefordert sein, zusammen mit dem Erziehungsrat die weiteren Schritte anzugehen.»