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Mit dem Spätwerk kam Josephsohns Ruhm

Weil sein «Arbeiter» kein Werkzeug in den Händen hielt, wurde Hans Josephsohns «Stehender» einst kritisiert. Heute dominiert die Figur die neueste Josephsohn-Ausstellung im Wechselsaal des Museums zu Allerheiligen. Am Freitag fand die Vernissage statt.

von Wolfgang Schreiber

Es war wie ein befreiendes Aufatmen: endlich wieder eine Kunst-Ausstellung im Museum zu Allerheiligen. Am Freitagabend drängten die Vernissagebesucher ins Münster und sassen, den Umständen entsprechend, mit grossen Abständen auf den Bänken. Museumsdirektorin Katharina Epprecht begrüsste die Besucher und gab einen kurzen Abriss über das Leben Hans Josephsohns. Dieser wurde 1920 in Königsberg in eine jüdische Familie geboren und hätte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert, starb jedoch am 21. August 2012 in Zürich. Anlässlich des 100. Geburtstags widmet ihm das Museum eine Einzelausstellung.


«Geniesse den Tag»

Raphaël Rohner hiess die Besucher im Namen des Stadtrates willkommen und erläuterte den bemerkenswerten Bezug Josephsohns zu Schaffhausen. Ulrich Meinherz, Geschäftsführer des Kesselhauses Josephsohn in St. Gallen, erklärte den Ausstellungs-Titel «Schauen ist das Wichtigste», und brachte die Arbeitsweise des Künstlers nahe.

«Nun gehts ans Schauen.»

Julian Denzler, Kurator Josephsohn-Ausstellung

Julian Denzler, für Gegenwartskunst im Museum zuständig und Kurator der Ausstellung, sprach von der suchenden und doppelten Arbeitsweise Josephsohns, der seine Plastiken additiv schuf und die Oberflächen durch Abschlagen wie ein Bildhauer bearbeitete. Josephsohns bevorzugter Werkstoff war der Gips, ein damals in der Kunstwelt verpöntes Material. Relativ spät erst konnte Josephsohn seine Werke in der Kunstgiesserei St. Gallen in Messing giessen lassen. Denzler entliess die Leute im Münster ganz im Sinne Josephsohns mit der Aufforderung: «Nun gehts ans Schauen». In kleinen Gruppen betrachteten die Vernissagegäste die neun ausgestellten Werke, bestaunten die überlebensgrosse Figur des Arbeiters, die Liegenden, die Reliefs, die drei Halbfiguren. Die Vernissagebesucher, darunter Familienangehörige Josephsohns und Zürcher Freunde des Künstlers, kamen zurück in den Kreuzgang des Klosters, wo ein Apéro bereitstand, der viele Gespräche beflügelte. Es geschah, was Stadtrat Raphaël Rohner in seiner Begrüssungsansprache empfahl: Die Leute sollten die Vernissage geniessen und speziell in Corona-Zeiten des römischen Spruchs «Carpe diem», «Geniesse den Tag», gedenken. In den Gesprächen erwies sich, dass Josephsohn in Schaffhausen schon sehr früh entdeckt wurde und bis heute verehrt wird. Rohner wies darauf hin, dass der in Schaffhausen lebende Künstler Erich Brändle ein langjähriger Freund Josephsohns war. Brändle erzählte im Kreuzgang, dass er durch den Künstler Hans Bächtold, der in Schleitheim lebte und arbeitete, auf Josephsohn aufmerksam wurde. In Schaffhausen waren im Jahr 1960 im Rahmen einer Gruppenausstellung der Künstlergruppe «Der Ring» vier Werke Josephsohns im Allerheiligen zu sehen. 1975 hatte er eine schweizweit beachtete Einzelausstellung im Allerheiligen, 1978 folgte eine weitere kleinere Ausstellung in der Galerie an der Stadthausgasse. In der Museumssammlung ist Josephsohn mit einer Halbfigur, einem Relief sowie einer Gipsstatuette vertreten. Im Waldfriedhof Schaffhausen ist zudem eine grosse Skulptur aus dem Jahr 1977 dauerhaft zu sehen.


Internationale Ausstellungen

Natürlich schätzten nicht nur die Schaffhauser Josephsohns Kunst. Mit dem Spätwerk kam der internationale Ruhm. Josephsohn hatte Ausstellungen im Stedelijk-Museum Amsterdam, in der Kolumba Köln, im Museum für moderne Kunst in Frankfurt, im Museum for Modern Art Oxford, im Museum Folkwang in Essen. Josephsohn gehört zu den grossen Bildhauern der europäischen Moderne nach 1945. Sein Werk, so ist sich die Kunstwelt einig, stellt auf eigentümliche und unverwechselbare Weise Fragen nach der existenziellen Verfassung des Menschen.

Die am Freitagabend eröffnete Ausstellung, die Katharina Epprecht als «grossartiges Geschenk» zum 100. Geburtstag Josephsohns bezeichnete und «im Wechselsaal beinahe zu perfekt» fand, endet am 15. November 2020. «Man müsste den Raum mit Josephsohns Werken so belassen», überlegte die Museumsdirektorin, doch das geht (leider) nicht. Schon Josephsohn bedauerte zu Lebzeiten, dass Ausstellungen wieder abgebaut werden. Nun, wer seine Werke auch nach dem Ende der Ausstellung in Schaffhausen sehen will, kann das im Tessin tun. Im Museum «La Congiunta» in Giornico sind Reliefs und Skulpturen von Josephsohn permanent ausgestellt. Und natürlich in St. Gallen im Kesselhaus Josephsohn. Ulrich Meinherz, Geschäftsführer des Kesselhauses, hat für die laufende Ausstellung in Schaffhausen einen Tipp: «Schauen Sie sich die Werke Josephsohns im Wechselsaal bei Tageslicht an. Das wechselnde Licht lässt die Oberflächen der Werke immer wieder anders erscheinen.»

sn 20200907

Josephsohns Figur «Stehender» (rechts), auch als «Arbeiter» bezeichnet, zieht das Interesse auf sich. Bild: Eric Bührer
 
 
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