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Schaffhauser Nachrichten: Erster Ökumenische Medienpreis der Schaffhauser Landeskirche: Das sind die Gewinner

12 Apr. 2024

Am Mittwochabend wurde zum ersten Mal der Ökumenische Medienpreis der Schaffhauser Landeskirchen an drei Personen...

Die Stadt Schaffhausen will systematisch die Sprachkenntnisse der Dreijährigen erheben und dort handeln, wo ein Bedarf besteht.

In der Stadt Schaffhausen kommen jährlich etwa 300 Kinder zur Welt. Die Mehrheit dieser Kinder wächst in einem anregenden, kindgerechten Umfeld auf. In der frühen Kindheit erhalten sie ein starkes Fundament für ein selbstbestimmtes Leben. Allerdings stellen die Kindergärtnerinnen in den letzten Jahren zunehmend fest, dass die Kompetenzen der Kinder sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Besonders in Quartieren mit einem hohen Anteil an sozial schwachen und bildungsfernen Familien treten Kinder mit Entwicklungsrückständen in den Kindergarten ein. Diese umfassen fehlende motorische und kognitive Fertigkeiten, wenig ausgebildete soziale Kompetenzen oder mangelnde Sprachkenntnisse. «Dabei handelt es sich um Entwicklungsrückstände mit langfristigen Folgen», heisst es in der Vorlage «Massnahmen zur Frühen Förderung in der Stadt Schaffhausen», die der Grosse Stadtrat im November 2014 verabschiedete. Mit der Vorlage hatte das Parlament zehn Massnahmen beschlossen, um die Situation für armutsbetroffene, bildungsferne oder anderweitig sozial benachteiligte Kinder zu verbessern. Ziel war es, dass mehr Kinder gut Deutsch sprechen, wenn sie in den Kindergarten eintreten, und dass weniger Unterstützungsmassnahmen währnd der Schulzeit nötig sind.


Frühe Förderung auf Kurs

Drei Jahre nach dem Beschluss des Parlaments hat der Stadtrat nun einen Zwischenbericht zur Umsetzung des Massnahmenpakets vorgelegt. Zu jedem der zehn Punkte zeigt der Stadtrat den aktuellen Stand. Ein Teil der Massnahmen wurde bereits umgesetzt, bei anderen besteht noch Handlungsbedarf (siehe Tabelle).

Zur Massnahme 4 «Frühe Deutschförderung» hat der Stadtrat nun gleichzeitig mit dem Zwischenbericht eine Vorlage präsentiert. Damit möchte er einerseits eine Sprachstanderhebung einführen. Andererseits soll während einer fünfjährigen Pilotphase ein neues Förderprogramm für Kinder mit geringen Deutschkenntnissen aufgebaut werden. «Das ist ein ganz wichtiger Punkt», erklärt Beat Knecht, Bereichsleiter Bildung bei der Stadt Schaffhausen. Die frühe Deutschförderung sei ein zentraler Baustein im Gesamtkonzept.


Fragebogen an alle Eltern

Die Sprachstanderhebung aller Kinder erfolgt 1½ Jahre vor dem Kindergartenein tritt. Dafür wird jeweils im Januar an alle Haushalte mit Kindern im relevanten Alter ein Fragebogen verschickt, der an der Universität Basel entwickelt wurde. Die Eltern nehmen dabei eine Einschätzung des Sprachstandes ihres Kindes vor. Reagieren die Eltern nicht, werden sie persönlich kontaktiert oder aufgesucht. In anderen Städten konnte so eine sehr hohe Rücklaufquote erreicht werden. Weil die Sprachstanderhebung nur ein Teil der Pakets zur Frühen Förderung ist, stellt die Befragung auch nicht den ersten Kontakt der Eltern mit der Stadt dar. «So kann man schon vorher ein gewisses Vertrauen aufbauen», sagt Beat Knecht.

Die Fragebögen werden schliesslich von Fachleuten der Uni Basel ausgewertet. Sie können so den Förderbedarf von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache zuverlässig einschätzen. Ähnliche Sprachstanderhebungen werden in der Stadt Zürich, in Chur, Basel und Luzern durchgeführt. Die Sprachförderung findet dann in Spielgruppen und Kindertagesstätten statt.

Während eines Schuljahres werden die Kinder zweimal pro Woche an einem Halbtag gezielt gefördert. «Im Zentrum stehen dabei spielerische Lernformen mit einem Fokus auf den Spracherwerb», sagte Bildungsreferent Raphaël Rohner. Der Grossteil der Kinder mit Förderbedarf soll eine der Mitenand-Spielgruppen besuchen. Bis anhin bestehen in der Stadt drei solche Einrichtungen – das Angebot soll in den nächsten Jahren aber deutlich ausgebaut werden. Nach einer Anlaufzeit wird mit rund 90 Kindern gerechnet, welche künftig schon vor dem Kindergarten gezielt gefördert werden.

Die Spielgruppenbesuche sind für die Eltern nicht gratis. Sie bezahlen den normalen Spielgruppentarif, ab zehn Franken pro Halbtag. Auch wird von ihnen eine verbindliche Beteiligung in Elternbildungsveranstaltungen zur Sprachförderung in der Familie gefordert. Für die Stadt entstehen neben den Spielgruppen auch durch Programmleitung und Administration zusätzliche Kosten. Für die fünfjährige Pilotphase beantragt der Stadtrat daher einen Kredit von 580'000 Franken.


Rechtsgrundlage fehlt noch

Während der Pilotphase soll auch eine spezifische rechtliche Grundlage erarbeitet werden. Dies soll mit der kantonalen Gesetzgebung koordiniert werden, wo diese Frage derzeit ebenfalls diskutiert wird. So hatte die Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Kantonsrats im November ein Postulat zur Frühen Deutschförderung eingereicht (SN vom 7. November 2017).

Während der Pilotphase ist in der Stadt Schaffhausen noch kein Obligatorium für die betroffenen Kinder vorgesehen. In der Verordnung, die zum Ende der Pilotphase vorliegen soll, könnte aber eine Verpflichtung der Eltern festgeschrieben werden.

 

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Nachgefragt: «Dann müssen wir Überzeugungsarbeit leisten»

Interview Daniel Jung mit Raphaël Rohner

Herr Rohner, warum braucht es eine frühe Deutschförderung in der Stadt Schaffhausen?

Raphaël Rohner: Man hat festgestellt, dass rund ein Drittel der Kinder, die in den Kindergarten eintreten, grosse sprachliche Defizite aufweisen. Hinsichtlich der Chancengleichheit ist das ein Problem. Gleichzeitig wird dadurch auch unser Schulsystem massiv belastet.

Um welche Kinder geht es hier?

Rohner: Es geht primär um Kinder mit Migrationshintergrund, bei denen zu Hause nur in einer Fremdsprache gesprochen wird. Es geht aber auch um Schweizer Kinder, die aus bildungsfernen Schichten stammen und nicht entsprechend gefördert werden.

Funktioniert die Einschätzung der Sprachkenntnis per Fragebogen?

Rohner: Ja. Wir erfinden hier keine neue Methode, sondern wir greifen auf einen bewährten Fragebogen zurück, der bereits in Basel und in Chur angewendet wird. Ausgewertet wird er von der Uni Basel. Die Fragen sind so formuliert, dass die Eltern die entsprechenden Informationen liefern können.

Was passiert, wenn die Eltern nicht mitmachen wollen?

Rohner: Dann müssen wir Überzeugungsarbeit leisten und den Eltern den Mehrwert aufzeigen. In der Pilotphase wird es keinen Zwang geben. In den anderen Städten ist die Akzeptanz aber sehr gross.

Welche Auswirkungen soll das Programm auf Fördermassnahmen in der Schule haben?

Rohner: Wir erhoffen uns einerseits einen besseren Bildungserfolg für die betreffenden Kinder. Andererseits soll die Förderung eine Entlastung für die Lehrpersonen bringen. Letztlich gehen wir davon aus, dass man Sprachfördermassnahmen im Kindergarten und in der Primarschule reduzieren kann.

Warum wird zunächst nur eine Pilotphase gestartet?

Rohner: Weil das perfekte Modell noch nicht besteht. Wir möchten hier nicht einfach etwas Theoretisches umsetzen, sondern in einer Pilotphase die Rahmenbedingungen und den effektiven Handlungsbedarf eruieren und evaluieren. So können wir eine Basis schaffen für ein solides und pragmatisches Projekt.

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