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von Marcel Tresch

Immer am letzten August­wochenende wird das traditionelle Berg­rennen in Oberhallau ausgetragen. Der beliebte Motorsportanlass, dessen rund drei Kilometer lange Strecke mitten durch die Rebberge führt, lockte am letzten Samstag und Sonntag erneut tausende von Fans in das Klettgauer Weinbaudorf unter dem Lugmer. Die Zuschauerinnen und Zuschauer aller Altersklassen entlang des Asphalts, auf dem jeweils in verschiedenen Kategorien gegen die Uhr gefahren wird, sind nicht bloss von schnellen Boliden, dröhnenden Motoren sowie den schnellen Zeiten fasziniert. Viel Spektakel wird beim schon längst als Familienanlass avancierten Berg­rennen vor allem auch neben der Piste geboten. Bereits in den Tagen während des Aufbaus und den Vorbereitungen – und natürlich während der Veranstaltung selbst – wird das ganze Dorf zu einem einzigen Rennstall.

Die Bevölkerung wächst temporär um das Vielfache. Jede Garage, jede Scheune, jeder Stall und jedes noch übrig gebliebene Plätzchen den Gassen und Strassen entlang, wird sozusagen in eine Rennautowerkstatt umfunk­tioniert. Unter sie mischen sich Markt- und Essensstände, kleine und grössere Festwirtschaften. Kurzum: Ganz Oberhallau ist auf den Beinen, um am einzigen Anlass im Jahr, der über die Kantons- und sogar Landesgrenzen hinausstrahlt, dabei zu sein.

Die Bevölkerung liebt ihren Motorsportanlass, der seit zehn Jahren vom Verein Pro Bergrennen Oberhallau organisiert und durchgeführt wird. Ihre Gastfreundschaft mündet in einem kleinen Wortspiel. Als Gast ist hier jede und jeder willkommen. Aus dem sich Kennenlernen wird sehr oft eine Freundschaft, die – so zeigt es die Vergangenheit – oft über Jahre oder Jahrzehnte hinweg andauert. Das erste Rennen am Oberhallauer Berg, so war vom Vorstandsmitglied Stefan Liechti zu erfahren, wurde bereits 1923 durchgeführt. Damals überwiegend mit Motorrädern, die vor bald 100 Jahren schon eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 80 Kilometern pro Stunde erreichten. Heute überwinden die Boliden die sehr kurvenreiche Strecke mit 157 Höhenmetern mit bis zu 245 Sachen. Aber zwischen den Rebstöcken geht es auch immer wieder ruhiger zu und her. Dann nämlich, wenn die Jüngsten mit ihren Seifenkisten die Strasse hinunterflitzen.

Fazit: Die Faszination Bergrennen übertrug sich schon immer von Alt und Jung. Und das wird wohl auch immer so bleiben.

bock 2017 20

Auf Einladung besuchen sie das Bergrennen jedes Jahr: Stadtrat Raphaël Rohner und Cornelia Stamm Hurter aus Schaffhausen. Bild: Marcel Tresch